„Diese Rose am Arsch – äußerst knuffig.“

Ich hatte mich ja auf einiges gefasst gemacht, als ich mich gestern morgen mit dem mir bekannten Rentnerehepaar auf den Weg nach Thüringen machte. Mein neues Auto, das ich bisher nur vom Hörensagen kannte, wartete dort auf mich, auf die neuen Nummernschilder und auf seine Fahrt in die neue Heimat.

Meine Erwartungen an das Auto wurden in jeder Hinsicht übertroffen.

Als wir dort ankamen, stand der Opel Kadett 1.4 Beauty, wie sollte es anders sein, in der Garage. Mein erster Blick und das dazugehörige Lächeln wurden leider nicht fotografiert, aber glückliche Kinder am Weihnachtsabend sehen genauso aus. Das Auto wurde von der Garage auf den Hof gefahren (ich durfte diese Fahrt noch nicht machen), damit ich mir alles genau ansehen konnte.Der Kadett sieht aus, als wäre er 1991 gebaut und fünf Minuten nach Fertigstellung mit einer Zeitmaschine ins Jahr 2008 geschickt worden. Alles, aber auch wirklich alles an diesem Auto ist in perfektem Zustand. Hinter keiner Tür, in keiner Ritze unter keiner Kante findet sich auch nur das geringste Anzeichen von Rost oder Schmutz. Es ist unglaublich.
Die größte Reparatur, die das Auto in seinem bisherigen Leben über sich ergehen lassen musste, war der Austausch der Antenne.

Alle Details, über die ich zuvor keine Informationen rausbekommen hatte, stellten sich als Volltreffer heraus. Es gibt es Schiebedach, das man anklappen oder komplett aufkurbeln kann; es gibt vier gut aufeinander abgestimmte Boxen vorn im Armaturenbrett und hinten in der Hutablage; es gibt höhenverstellbare Sitze, auf die sich gestern das erste Mal überhaupt jemand gesetzt hat, ohne dass ein Schonbezug drauf war. Alle Armaturen und eingebauten Geräte funktionieren perfekt, es gibt einen Drehzahlmesser und der Vorbesitzer hat sich sogar eine elektronische Wegfahrsperre einbauen lassen. Damit die teuren Felgen nicht geklaut werden können, haben die Felgenschrauben ein Schloss. Die Scheibenwischer sind nagelneu und es wurden erst noch vor kurzem alle Kühl- und Reinigungsflüssigkeiten nachgefüllt.

Ich habe wirklich nach einer Kleinigkeit gesucht, über die ich mich künstlich aufregen kann, aber es gibt einfach nichts. Der Tank war voll, ich fand eine Tüte Bonbons im Handschuhfach und ein komplett neuer Satz Winterreifen lag im Kofferraum. Die Vorbesitzer hatten sogar eine Matchbox-Version des Autos gekauft, das sie dem Ad-mini geschenkt haben.

Der etwas unangenehme Teil der Schenkungsaktion, den ich aber tapfer über mich ergehen ließ, beinhaltete die Tagesordnungspunkte „Foto Vorbesitzer und neuer Besitzer mit ausgestrecktem Daumen und Auto im Hintergrund“, „Vorbesitzer erklärt neuem Besitzer das Auto, obwohl es nichts zu erklären gibt“ und „Vorbesitzer redet eindringlich auf den neuen Besitzer ein, das Auto doch bitte mit Respekt und Liebe zu behandeln“.

Dann durfte ich endlich den Motor starten und vom Hof fahren.

Mit 60 PS ist der Kadett natürlich kein Kandidat für Ampelrennen, aber who cares? So viele Berge wie in Thüringen oder Sachsen-Anhalt, an denen ich ab und zu mal runterschalten musste, um die Geschwindigkeit zu halten, gibt es in Berlin nicht. Außerdem hat der Vorbesitzer den Motor definitiv nicht sportlich, sondern eher rentnerisch eingefahren. Dafür konnte ich zwei Stunden lang problemlos bei 140 bis 150 km/h über die Autobahn cruisen, ohne dass irgendwo etwas geklappert hätte. Da mir Aiolos gnädig gestimmt war, erreichte ich auf Bergabpassagen mit Rückenwind auch kurz mal magische 170 km/h und damit eine Geschwindigkeit, die das Auto bisher wohl auch noch nie erreicht hatte. Die knapp 300 Kilometer bis Berlin sind eine Strecke, an die sich der Kadett wohl auch erstmal gewöhnen muss.

Zuhause angekommen, hatte mich die leidvolle Realität wieder, in der ich nur ein Parkplatzsuchender unter Vielen war. Als ich endlich eine Lücke ergattert hatte, stieg ich aus, streichte sanft über den perfekten dunkelblauen Lack und wünschte meiner neuen Beauty eine schöne erste Nacht unter freiem Himmel.

Und Fortuna – in Form eines Heckscheibenaufklebers an einem Renault Clio – habe ich auf der Bornholmer Straße auch gesehen.

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13 Antworten zu „Diese Rose am Arsch – äußerst knuffig.“

  1. Kittyluka schreibt:

    Oha, so einen hatten wir auch mal…

    Nur so als Tip, die Federung ist die Hölle, zumindest wenn man auf dem Rücksitz sitzt und stark gebremst wird.

    Mir wird heute noch schlecht bei dem Gedanken was ich und meine Schwester damals in dem Auto gekotzt haben.

    Armer Admini.

  2. dazzler schreibt:

    Ich sach ma: Herzlichen Glückwunsch!

    Da das Auto in einer so guten Verfassung ist, brauchst du über deinen nächsten Autoverkauf erstmal nicht bloggen.

    Gute Fahrt!!!

  3. M@rtin schreibt:

    Wo ist das Foto mit den Daumen?😀

  4. Ghost Dog schreibt:

    @M@rtin: Das wurde analog geschossen. Das kommt erst zum örtlichen Fotoentwickler, wird danach in der Kleinstadt rumgezeigt und irgendwann zu Weihnachten bekomme ich bestimmt einen Abzug davon geschenkt.

  5. hormuthsfrederic schreibt:

    Glückwunsch! Coole Geschichte!
    Bin gespannt, was er verbraucht!

  6. abk schreibt:

    feine sache son auto für umme!

  7. Denis schreibt:

    Da hast du ja einen fetten Fang gemacht. Glückwunsch!

  8. Birk schreibt:

    Armer ghostdog. Er wollte ein Auto und bekam einen Opel. Tut mir leid Dir mitteilen zu müssen, daß Du jez einen Platz in der coolness-Tabelle gefallen bist.

  9. abk schreibt:

    @birk: lustig… als wäre nen toyota so viel „cooler“!!

  10. rockende mathematikerin schreibt:

    Ja, das Rosentattoo *hust* ist ja wirklich herzallerliebst… Und die Farbe ist auch ziemlich geil, hat sowas von… von… von rentnerbehaftetem Automief. Aber egal, auch von mir einen herzlichen Glühstrumpf zum neuen fahrbaren Untersetzer! Jetzt müsstest Du eigentlich nur noch als kleinen Gag hinten auf der Hutablage eine Klorolle samt gehäkelte Ummantelung deponieren😉

  11. Maik schreibt:

    Glückwunsch! Fahre selber einen 15 Jahre alten Omega A. Der hat aber inzwischen Saisonkennzeichen für den Sommer aus Angst vor dem Rostteufel.

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