In der alten Heimat

Sechs Tage Urlaub sind nicht viel, aber besser als gar nichts. Und da man in sechs Tagen keine großen Reisen machen kann, bin ich (Achtung: pathosbeschmierter Teilsatz folgt!) zurück an den Ort gegangen, an dem alles begann – in meine Geburtsstadt.

Belzig liegt etwa 80 Kilometer südwestlich von Berlin entfernt. In dieser Gegend wohnt ein Großteil meiner Familie; unter anderem hat sich einer meiner vielen Onkel vor zwei Jahren ein tolles Haus in der Stadt gebaut. Seine Familie macht gerade Urlaub auf einer Insel im Atlantischen Ozean und so konnte ich unkompliziert und kurzfristig in ein Ferienhaus ziehen.

Das Haus war nicht nur kostenlos, sondern wartete mit einigen Highlights auf: ein großes Trampolin im Garten, WLAN auf zwei Etagen, ein Kühlschrank mit Eiswürfel- und Kaltwasserspender, eine digitale Satellitenanlage (und damit bis zu sechs Olympiakanäle) und ein Gästeklo mit Pissoir. Es sollte übrigens gesetzlich vorgeschrieben sein, dass im Badezimmer jedes Haushalts ein Pinkelbecken für Männer eingebaut ist – die perfekte Win-Win-Situation für Mann und Frau.

Die treuen Leser werden wissen, dass ich immer noch kein neues Auto habe. Darum habe ich mir für eine Woche einen Ford Focus gemietet. Das Auto war nicht allzu spritzig und wenn ich mal Gas gegeben habe, dann schluckte der Focus so extrem viel, dass ich Angst hatte, dass jeden Moment meine Bank anruft und mir einen Kredit für den entstehenden Spritverbrauch aufschwatzt. Ich musste also die ganze Zeit wie eine Oma fahren, damit ich den Verbrauch auf unter acht Litern halten konnte. Ansonsten war der Focus aber ganz angenehm zu fahren.

Die Stadt Belzig allein ist kaum eine Reise wert. Die Innenstadt ist klein und bietet kaum Interessantes. Vor ein paar Jahren wurde aus dem Zentrum eine Art Labyrinth gemacht, denn seitdem sind viele Straßen Einbahnstraßen, deren System ich erst nach fünf Tagen halbwegs durchschaut hatte. Kompliziert war es auch, einen brauchbaren Bäcker zu finden, weil es fast nur noch Bäckerketten gibt, die in Supermärkten ihre teure und pappige Massenware anbieten. Ich habe Mitte der Woche am Rand der Altstadt aber doch noch einen schönen Ostbäcker gefunden.

Die Sehenswürdigkeiten sind im Süden von Brandenburg eher rar gesäht. Die Burg Rabenstein, eine der bekanntesten Burgen, fand ich persönlich ziemlich enttäuschend; nach fünf Minuten hatte ich den Hof und den einzigen offenen Raum gesehen und mich wieder ins Auto gesetzt.
Besser war dahingegen schon die Lutherstadt Wittenberg. Die Altstadt ist komplett autofrei und man kann ein paar Stunden lang durch die Gassen schlendern. Die Schlosskirche, an deren Tor Luther seine 95 Thesen gekritzelt hat, liegt am Ende der Altstadt. Den dazugehörigen Turm kann man für einen kleinen Eintritt besichtigen – dazu muss man „nur“ knapp 300 Stufen einer sehr engen und steilen Wendeltreppe besteigen. Der Aussicht über die Gegend entschädigt aber absolut für den Stress beim Auf- und Abstieg.
Auch sehr schön, wenn auch ziemlich teuer, ist die Steintherme Belzig. Es gibt in der „Badeanstalt“ zwei Bereiche: das normale Schwimmbad (mit mehreren Becken, darunter ein Kinderbecken, ein Whirlpool und ein Außenpool) und der große Wellnessbereich (mit drei Saunen, Dampfbad, Außenpool, Ruhezonen und Cafeteria). Wer einen Tag Zeit und etwas Taschengeld übrig hat, sollte sich dort mal ausgiebig selbst verwöhnen.
Einen kleinen Ausflug ist auch die Burg Eisenhardt in Belzig wert. Das Areal ist ungleich größer als das der Burg Rabenstein, man kann sich die alten Wehranlagen anschauen und hat vom Innenhof der Burg einen schönen Blick über die Stadt.
Zwischen dem 2. und 16. August haben in Lüsse bei Belzig die Weltmeisterschaften der Segelflieger stattgefunden. Wir haben uns am Donnerstag die Landungen der Segelflugzeuge angeschaut, die zuvor eine Strecke von 500 km um Berlin zurückgelegt hatten – und das ohne eigenen Antrieb.

Den Kurzurlaub konnte ich leider nicht verlängern, denn schon am Montag werde ich wieder auf Arbeit erwartet. Spätestens im September wird mich dann der Teufel Festanstellung im Griff haben, wenn ich das erste Mal in meinem Leben über längere Zeit eine 40-Stunden-Woche haben werde. Dazu kommen dann noch Webseitenprojekte, die ich nachts abarbeiten muss. Hört sich nach einer Menge Spaß an.

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