Betrug beim Autokauf

Es war wirklich zu schön, um wahr zu sein.

Seit Wochen grase ich auf der Suche nach einem Nachfolger für meinen roten japanischen Flitzer beinahe täglich die beiden großen Autoportale autoscout24.de und mobile.de ab. Meine Ansprüche sind hoch, darum war ich bisher auch noch nicht auf die perfekte Kombination aus meinen Anforderungen und dem veranschlagten Preis gestoßen.

Aber gestern abend fand ich plötzlich den vermeintlichen Jackpot. Ein sieben Jahre alter Citroen Berlingo 1.4 Spacelight [Screenshot siehe links], eine Mischung aus Kombi und Kastenwagen mit tollem Panoramadach, war bei mobile.de für 3000 Euro inseriert. Das Auto an sich gehört nicht mal annähernd zur Gattung Fahrzeug, die ich als mein Traumauto bezeichnen würde. Die Beschreibung der enthaltenen Ausstattung des Autos in Verbindung mit dem verlangten Preis war aber so überwältigend, dass ich meine Bedenken wegen der Optik über Bord warf und dem, so war es dort zumindest hinterlegt, privaten Verkäufer aus 13055 Berlin (eines meiner Anforderungen: keine Händler) über das Kontaktformular eine freundliche Mail schrieb und um einen Besichtigungstermin bat.

Heute am späten Nachmittag erhielt ich dann folgende Antwort:

Hello,
I’m glad to hear that you are interested to buy my car.The car is in excellent condition.The paint on this car has not been altered and is original from front to back there is no collision damage present on this car. This car’s transmission shifts like it just left the factory. The engine in this car runs smooth as silk. It has all the necesseray paperwork: registration certificate in Germany, TUV (technicals check) and OUTER ONE (enviromental checks) is valid until 07.2009. I am located in London ( United Kingdom ) and the car is here with me. I bought this car from Germany , but when I come back here and tried to register the car , I realized that the costs was too highs and for this motivation I decided to sell it . Also I wanted to sell it here but because of this high taxes is very difficult to find a buyer and for this cause decided to sell it in Germany from where gained it .
Thank you for your time and interest and I wait a reply from you just possible.
PS : I can bring you the car at your address for free , the shipping taxes and insurance for the road will be my problem.
what do you say ?
Best regards !

Beim ersten Lesen verstand ich nur die Hälfte, also las ich nochmal. Nach dem zweiten Lesen überkam mich der allererste leise Zweifel, so dass ich noch ein drittes Mal las.

Mir gingen einige Fragen durch den Kopf:
– Warum ist das Inserat in fehlerfreiem Deutsch, wenn der Verkäufer aber kein Deutsch spricht? Meine erste gutgläubige Antwort war: Na klar, da hilft ihm einfach ein Bekannter in Deutschland bei der Abwicklung.
– Warum schreibt er in Englisch, wenn dann sinnlose Sätze wie „I wait a reply from you just possible“ rauskommen? Auch da dachte ich: Muss ja kein Engländer sein, nur weil er in London ist. Inder werden ja überall gebraucht.
– Warum steht kein Name im Absender und unter der Email; warum benutzt er die Emailadresse auto.auto777@yahoo.de? Die Antwort gab ich mir gleich selbst: Warum sollte er seine persönliche Emailadresse dafür benutzen, das mache ich doch auch nicht?!

Nach dem dritten Lesen wollte ich es aber trotzdem genauer wissen. Ich schnappte mir Teile des Emailtextes und gab ihn bei Google ein. Und nur ein paar Sekunden später war der Traum von diesem perfekten Auto vorbei und ich sauer auf mich selbst, weil ich so lange gutgläubig an eine wahre Geschichte geglaubt hatte. In diversen Auto-Foren berichten User von gleich- oder ähnlichlautenden Mails. Manchmal kommt der Verkäufer aus Griechenland, manchmal aus Frankreich. Ab und zu ist ein Familienmitglied gestorben, meist aber hat der Verkäufer einfach einen neuen Job im Ausland und kann/will den Wagen nicht dort anmelden. Der Grund dafür ist manchmal, dass das Lenkrad auf der linken Seite ist, meist sind die Gebühren für die Anmeldung einfach zu teuer.

Ich fasse mal die Erkenntnisse, die ich beim Lesen der diversen Foren, Ratgeber und Verbraucherschutzseiten gewonnen habe, zusammen:

Es gibt zwei Arten von Betrug. Entweder der Verkäufer des Autos wird betrogen oder der Käufer.

Der Verkäuferbetrug geht so: Der Betrüger kontaktiert den Verkäufer auf Englisch und teilt ihm mit, dass er das Auto zu den geforderten Konditionen kaufen und in sein Land importieren möchte. Die Überführung soll ein Transportunternehmen übernehmen, das der Käufer auch selbst bezahlen will. Einigen sich Verkäufer und Betrüger auf den Deal, schickt der Betrüger einen vermeintlich gedeckten Scheck in Höhe des Verkaufspreises plus der Transportkosten an den Verkäufer. Die Transportkosten soll dann der Verkäufer über eine Einzahlung auf ein angebliches Treuhandkonto bei Western Union übernehmen. Zahlt der Verkäufer das Geld, landet es direkt beim Betrüger und ward nie wieder gesehen, denn Western Union ist kein Treuhandservice, sondern einen Service für schnellen, weltweiten Bargeld-Transfer. Wenige Tage später wird der vom Verkäufer eingereichte Scheck von den Betrügern (oder dem rechtmäßigen Besitzer des Geldes, der wahrscheinlich Opfer eines Phishingangriffs wurde) als gestohlen gemeldet oder das Geld mangels Deckung zurückgebucht. Das Geld wird zurücktransferiert und der Verkäufer steht mit mehreren Tausend Euro Verlust da, hat aber sein Auto immer noch nicht verkauft.
Kommt es richtig dumm, überweist der Verkäufer die Transportkosten nicht auf ein Konto, sondern übergibt das Bargeld an einen Komplizen des Betrügers, der sich als Abholer der Transportfirma ausgibt. Der Abholer bekommt dann nicht nur das Geld, sondern als Sahnehäubchen gleich noch das Auto obendrauf.

Der Betrug beim Autokauf funktioniert folgendermaßen: Der angebliche Verkäufer erzählt (wie in meinem Fall), dass er das Auto von einer angeblichen Treuhand-Transportfirma verschiffen und nach Deutschland bringen lässt. Für die Überführung würde er selbst bezahlen. Der Käufer müsse nur zur Sicherheit, damit der angebliche Verkäufer keinem Betrug zum Opfer fällt, den Kaufpreis auf das bereits oben genannte angebliche Treuhandkonto bei Western Union einzahlen. Hat der Käufer den Betrag überwiesen, bedankt sich der Betrüger recht herzlich und verschwindet auf Nimmerwiedersehen.

Damit mein Blog mal wieder seinem Ruf als Deutschland nützlichstes Verbraucherschutzbüro gerecht wird, folgen hier noch ein paar eigentlich selbstverständliche Tipps, die nicht nur für den oben beschriebenen Fall, sondern für jeden Autokauf gelten sollten:

  • Wenn Sie ein Auto kaufen möchten und finden ein Angebot, das weit unter den vergleichbaren Inseraten liegt, sollten Sie sehr hellhörig werden.
  • Sobald irgendein Käufer / Verkäufer das Wort „Vorauszahlung“, „Anzahlung“ o.ä. benutzt, laufen Sie bitte schnell und möglichst weit weg!
  • Vereinbaren Sie am besten immer Barzahlung bei Abholung, egal ob sie das Auto kaufen oder verkaufen wollen (das Zauberwort lautet „Zug-Um-Zug-Geschäft“).
  • Rufen Sie keine Auslandstelefonnummern an! Es ist kaum zu unterscheiden, ob eine Nummer seriös ist oder Sie vielleicht auf eine extrem teure Weiterleitung geschaltet werden.
  • Suchen Sie sich ein paar grimmig aussehende Freunde, die Ihnen bei der Übergabe des Autos und des Geldes den Rücken stärken. Geht das Geschäft problemlos über die Bühne, haben Sie gleich ein paar Kumpel für die erste Spritztour dabei.
  • Wenn Sie einen Besichtigungstermin machen und nicht viel Ahnung von Autos haben, nehmen Sie sich am besten einen Fachmann mit oder bestehen auf die Fahrt zu einem Sachverständigen. Alternativ können Sie sich auch eine Checkliste (wie z.B. diese ADAC-Checkliste als PDF) ausdrucken und zur Besichtigung mitnehmen.

Ich habe das Inserat des Citroens bei mobile.de gemeldet und gehe davon aus, dass es nicht mehr allzu lange online ist. Morgen werde ich dann einen erneuten Versuch starten, endlich ein neues Auto zu finden.

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6 Antworten zu Betrug beim Autokauf

  1. Jens schreibt:

    Noch mehr Tips und aktuelle Maschen stehen übrigens auch auf http://www.sicherer-autokauf.de

  2. M@rtin schreibt:

    Warum hast du das Inserat noch nicht beanstandet?

  3. hermannw schreibt:

    Gibt es überhaupt seriöse Verkäufer. Da wird doch überall gemauschelt.
    Am besten man kauft sich einen Neuwagen🙂.

  4. Ghost Dog schreibt:

    @M@rtin: Siehe letzter Absatz. Ich habe es gestern abend gleich gemeldet, als ich von dem Betrugsversuch erfahren habe.

    @hermannw: Es gibt seriöse Verkäufer. Nur ist es nicht so leicht, die zu finden. Und ich hätte natürlich auch lieber einen Neuwagen. Bloß dafür auf vier Jahre Essen und Trinken zu verzichten, möchte ich nicht.

  5. Silberchen schreibt:

    Noch ein Tipp: Ist der Fachmann im Bekanntenkreis nicht vorhanden, mit dem Verkäufer ausmachen, dass der Wagen vor dem Verkauf zum TÜV soll. Die paar Euro kann man dann auch noch ausgeben, und wenn man den Wagen selbst hinfährt, dann kann man dem TÜV-Prüfer auch bitten, einen genaueren Blick auf bekannte Teile zu werfen.

  6. sarah schreibt:

    Hallo Ghost Dog,

    bei uns ist es der gleiche Fall – nur umgedreht, und zwar hat einer versucht, mein eigenes Auto in Mobile zu verkaufen… mit den Daten und Fotos aus meiner Ebay-Auktion. Hab das von einem Interessenten erfahren, der meine Nr. noch aus der Auktion in Ebay im Kopf hatte… Hab das ganze jetzt an die hiesige Polizei übergeben – aber wenig HOffnung! Da der Mailtext fast 100% der gleiche ist, denke, ich, wir könnten uns doch einmal kurzschließen?! Schick mir doch mal deine Tel. bzw. persönliche Mail…

    Danke + Gruß Sarah

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