Post vom Polizeipräsidenten

Unfallupdates!

Gerade eben kam der Brief rein, den ich schon befürchtet hatte.

Sehr geehrter Herr Ghost Dog,

Ihnen wird vorgeworfen, am […] um […] in […] als Führer des PKW […] folgende Ordnungswidrigkeit nach §24 StVG begangen zu haben:

Sie streiften beim Vorbeifahren ein Fahrzeug und verursachten Sachschaden.
§1 Abs. 2, § 49 StVO; § 24 StVG; — BKat

Wegen dieser Ordnungswidrigkeit […] wird ein Verwarnungsgeld in Höhe von
35,00 EUR erhoben.

Jetzt stellt sich die Frage, ob ich Geld anstandslos bezahle, oder ob eine Bezahlung des Verwarnungsgeldes als Schuldeingeständnis gewertet wird. Andererseis: Wenn man den Vorwurf wörtlich nimmt, ist ja genau das auch passiert und ich habe im Vorbeifahren ein Fahrzeug gestreift und dort Sachschaden verursacht. Wobei „verursacht“ habe ich ihn ja meiner Meinung nach nicht, sondern der „Idiot“.

Die Versicherungen haben mich auch angeschrieben und noch einmal eine detaillierte Beschreibung des Vorgangs und weitere Informationen angefordert. Das, was sie jetzt von mir wissen wollen, habe ich aber bereits in mehreren teuren Telefonaten mit den Callcentern diktiert. Wenn ich das vorher gewusst hätte, wären die Anrufe dort niemals so ausgeufert.

Eine Frage, vor der ich immer noch stehe: Fahre ich mit meinem Auto zu einem Sachverständigen oder begnüge ich mich damit, in einer Werkstatt einen Kostenvoranschlag einzuholen? Reparieren will ich das Auto nicht, so viel steht fest. Wenn der „Idiot“ nicht behauptet hätte, dass er die ganze Zeit gefahren sei, dann hätte ich das mir rechtmäßig zustehende Geld dafür benutzt, das neue Auto anzuzahlen, das im Sommer fällig ist (denn TÜV kriege ich – unabhängig vom aktuellen Unfallschaden – auf keinen Fall mehr).

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10 Antworten zu Post vom Polizeipräsidenten

  1. Kittyluka schreibt:

    Also:

    Eine befreundete Anwältin hat mir dazu gesagt, die Situation ist ähnlich eines Auffahrunfalls, bei dem auch immer der automatisch Schuld hat, der hinten rauf fährt. Da deine Situation eine typische „Überholen und Spurschneiden“ Situation war, wird auch dir erstmal die Schuld zugesprochen (ist ja irgendwie auch logisch).

    Dein Bruder zählt nicht als Zeuge, da er nicht im Auto saß und ziemlich sicher wohl auch nicht beweisen kann, dass er an einer Stelle stand, an der er den Unfallhergang von Anfang bis Ende genau und vollständig (im Sinne von: keine Bäume oder andere Autos im Sichtfeld) beobachten konnte.

    Du könntest dir jetzt natürlich einen Anwalt nehmen und dagegen vorgehen, im allerbesten Fall (da Aussage gegen Aussage) wird dir trotzdem eine Teilschuld zugesprochen (da rückwärtigen Verkehr beim einscheren nicht ausreichend beachtet) das fällt dann zu 30:70, 50:50 oder 70:30 aus. Würde dich im Endeffekt aber vermutlich mehr kosten, als es dir bringt

    Und sage mal, den Schaden des anderen zahlt doch auf jeden Fall die Versicherung oder? Du wirst halt hochgestuft, aber wenn du tatsächlich lange keinen Unfall hattest, dann ist das ja noch „relativ“ gering (ja ich weiß, ist auch Geld, das man nicht hat).

    Mh. Tut mir leid, das ich dir nicht die superduper Lösung all deiner Probleme präsentieren konnte.

  2. M@rtin schreibt:

    Hast du eine Rechtsschutz?

  3. hermannw schreibt:

    Auf jeden Fall würde ich erstmal nicht bezahlen und warten bis sich die Sache weiter geklärt hat. Man legt doch heute sowieso immer erstmal Widerspruch ein, sagt zumindest mein Vater.

  4. e.o schreibt:

    Wenn die Schuldfrage nicht geklärt ist, trägst du auch die Kosten für einen Sachverständigen. Bis jetzt sieht es ja so aus, als ob du der „Unfallverursacher“ bist. Wenn du einen Gutachter bestellst und Recht bekommst, das Auto aber nicht reparieren lässt behält die Versicherung die Mehrwertsteuer ein. Ich drück dir die Daumen.

  5. Ghost Dog schreibt:

    @kittyluka: Vielen Dank für die Infos. Ich will nicht in der Versicherung hochgestuft werden, sondern zu meinem Recht kommen. Aber so wie die Sachlage aussieht, komme ich wohl nicht drumherum.

    @M@rtin: Ich habe nur Haftpflicht. Aus Kostengründen.

    @hermannw: Wird es nach einem abgelehnten Widerspruch teurer?

    @e.o.: Danke! Also wäre es wohl das beste, einfach einen Kostenvoranschlag einzuholen, der wohl bei weitem nicht so teuer sein wird wie ein Sachverständiger.

  6. Kittyluka schreibt:

    @Ghostdog
    Den Kostenvoranschlag würde ich auf keinen Fall einholen, wenn du das Auto sowieso nicht reparieren lassen willst, da du ja im moment der Verursacher bist und das wird sich wohl auch nicht ändern. Das kann nämlich (wenn du es offiziell machst und alles andere wäre illegal) ganz schnell gegen dich, bzw. zu deinen Lasten enden.

    Und ganz ehrlich, ich kann verstehen, dass du zu deinem Recht kommen willst… allerdings so wie es aussieht musst du in den sauren Apfel beißen, denn so ganz unschuldig bist du nun mal auch nicht und der andere wird wohl nicht zugeben, dass er hier den größten Teil der Schuld inne hat.

    Versuche schlimmeres zu verhindern, aber kneif die Arschbacken zusammen und durch da. Der Einsatz wäre zu hoch und für Normalbürger wie uns, die weder Reichtum noch Macht besitzen, stünde zu viel auf dem Spiel…

  7. Colonel schreibt:

    Also ich weiß nicht. Ich hätte ein ungutes Gefühl zu zahlen, wenn ich doch von meiner Unschuld überzeugt bin. In diesem Moment geht es ums Prinzip. Die Sache mit der Polizei ist für meinen Geschmack blöd gelaufen. Die hatten keine Lust ihren Job richtig zu machen. Die hätten sich um Zeugen kümmern müssen. Aussage gegen Aussage ist ein unbefriedigender Zustand.

    Mal angenommen das Auto hätte wirklich gestanden: hättest du das Auto wirklich so rammen können, dass nur dein Kotflügel und seine Stoßstange involviert sind? Macht ja kein Sinn, wenn du erst einige Meter hinter dem Auto in deine Einfahrt einbiegst.

    Mal angenommen das Auto ist gefahren: warum sollst du es dann überholen, wenn du kurz dahinter in eine Einfahrt einbiegen möchtest. Das wäre doch absolutes Harakiri, zumal mit einem Kind an Bord.

    Wenn die Situation so gelaufen ist, wie beschrieben, dann macht es keinen Sinn, dass die A-Klasse gefahren/angefahren ist.

    Von dieser Situation ausgehend, kann man glaube ich anfangen zu argumentieren. Frag doch mal bei deiner Versicherung nach.

  8. Kittyluka schreibt:

    Und genau das ist der Punkt. Wir können uns Prinzipien nicht leisten😉

    Die Situation an sich ist schon schlüssig. Ein nicht Ortskundiger fährt langsam in einer Nebenstraße und wird von einem ungeduldigem ansässigem Jugendlichen waghalsig überholt. Kind in dem Moment egal, weil Kurzschlussreaktion.

    Dass das Auto vorher noch stand weiß ja keiner außer die Beteiligten. Mal davon abgesehen, dass es sich für Außenstehende selbst dann nach „ungeduldiger Jugendlicher“ anhört.

    Kumpel von mir ist Polizist… was der so erzählt will man manchmal gar nicht glauben.

  9. Ghost Dog schreibt:

    @kittyluka: Zu Deinem „Kostenvoranschlag nicht einholen!“: Soweit ich die Versicherungsunterlagen der Mietwagenfirma verstehe, verlangen die von mir aber eine Aussage über den entstandenen Schaden. Sie geben mir die Wahl zwischen einer Abrechnung nach „Original-Reparatur-Rechnung“, „Original-Kostenvoranschlag“ und „Original-Gutachten“. Wenn ich also – das ist meine Interpretation – nichts hinschicke, kriege ich im Glücksfall auch nichts von denen zurück. Was ich allerdings hinschreiben könnte, wäre ein Hinweis, dass ich erst abwarten möchte, was die polizeiliche Ermittlungsakte ergibt.

    @Colonel: Mir geht es genau wie Dir. Ich habe auch kein gutes Gefühl, für etwas zu bezahlen, an dem ich nicht schuld bin. Nur leider ist bei mir mittlerweile fast schon Resignation eingekehrt, dass hier die (bzw. meine subjektive) Gerechtigkeit nicht siegen kann. Mein Zeuge ist mein Bruder und meine Versicherung wird sich bei so einem Bagatellschaden nicht mal ein halbes Bein ausreissen, speziell vor dem Hintergrund, dass sie das Geld, das sie an den Idioten bzw. SIXT zahlen müssen, ja von mir wiederbekommen.

  10. hermannw schreibt:

    Ein Widerspruch einzulegen ist Dein gutes Recht. Evtl. gibt es eine Bearbeitungsgebühr, das Strafmandat wird nicht teurer. Du solltest natürlich in der Zeit,in der der Widerspruch läuft, Beweise sammeln. Das Du langsam resignierst kann ich schon verstehen. Es ist auch immer eine Frage des Aufwands bei geringer Erfolgsaussicht.

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