Ein ganz normaler Sonntag

Ein Gastbeitrag von Arno Nühm

Hausaufgabe im Kurs „Journalistisches Arbeiten“: Bitte beobachten Sie in den kommenden beiden Wochen unterschiedliche Printmedien und dokumentieren Sie, wenn nach Ihrer Meinung gegen die Richtlinien im Pressekodex verstoßen wird. Sie sollten 3 Belege dafür finden.

Fall 1: BILD Online
Link: Geld & Karriere
Datum: 30. März 2008

BILD.de Screenshot Geld&KarriereDer Onlineableger von BILD hat es in der Vergangenheit nie so genau genommen, wenn es um die Einhaltung von Ziffer 7 des Pressekodex geht, wo es unter anderem heißt: „Verleger und Redakteure […] achten auf eine klare Trennung zwischen redaktionellem Text und Veröffentlichungen zu werblichen Zwecken.
Zwar ist BILD.de mit dem Relaunch ihrer Webseiten Anfang des Jahres dazu übergegangen, werbliche Inhalte in der Regel durch das Wort „Anzeige“ zu kennzeichnen, jedoch ist oft weiterhin ein zweiter Blick nötig, um die nahtlos an das Layout angepasste Werbung zwischen den redaktionellen Texten zu erkennen. Genannt sei hier nur das Beispiel der Startseite des Ressorts „Geld & Karriere“. Dort befinden sich im Inhaltsbereich der Seite vier Werbetexte (u.a.: „Vorsorge – So sichern Sie sich und Ihre Familie ab“), die optisch einzig durch das rechts angebrachte „Anzeige“ von den redaktionellen Texten zu unterscheiden sind.

Fall 2: Kölner Express Online
Link: Sechsjähriger vor Augen der Eltern totgefahren
Datum: 30. März 2008

EXPRESS.de Screenshot NachrichtenEXPRESS.de Screenshot Symbilbild HelikopterEinen Bericht über einen Unfall, der sich in einer Nordrhein-Westfälischen Ortschaft abspielte, bebildert der EXPRESS mit einem Foto eines Helikopters. Das verunglückte Opfer wurde, so steht es im Text, „per Rettungshubschrauber“ ins Krankenhaus geflogen. Der auf dem Bild gezeigte Helikopter hat mit dem Unfall jedoch nichts zu tun, denn das Originalfoto, das man beim Klick auf das Vorschaubild öffnen kann, zeigt eindeutig, dass es sich um einen Helikopter handelt, der in einem Skigebiet zum Einsatz kommt. Diese fehlende Kennzeichnung, dass es sich bei dem Bild um ein Symbolbild handelt, verstößt gegen Ziffer 2.2 des Pressekodex . Denn dort steht: „So sind Ersatz- oder Behelfsillustrationen (gleiches Motiv bei anderer Gelegenheit, […]) deutlich wahrnehmbar in Bildlegende bzw. Bezugstext als solche erkennbar zu machen.

Fall 3: BZ Berlin
Link Tagesspiegel: 17-Jähriger bei Schlägerei mit Feuerlöscher niedergeschlagen
Link BZ: Blutnacht im Vietnamesen-Center
Datum: 30. März 2008

BZ Berlin Screenshot NachrichtenAm späten Abend des 29. März ereignete sich in einem Lichtenberger Restaurant eine Schlägerei, in die etwa zehn Gäste involviert waren. Während der Tagesspiegel in korrekter Art und Weise darauf verzichtete, die ethnische Zugehörigkeit der beteiligten Personen zu erwähnen, da es für die Nennung der Herkunft keinerlei Grund gab, erwähnt die BZ bereits in der Überschrift (und kurz darauf im Einleitungstext noch einmal) explizit, dass die Beteiligten aus Vietnam stammen. Das ist ein Verstoß gegen Ziffer 12.1 des Presskodex („In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu […] ethnischen […] Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht.“).

Fazit: Es ist traurig, aber wahr. Um die Aufgabe zu lösen, drei Verstöße großer Printmedien der letzten 14 Tage gegen den Pressekodex zu finden, brauchte es an einem normalen Sonntag im März lediglich eine Recherchezeit von zwei Stunden.

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4 Antworten zu Ein ganz normaler Sonntag

  1. Paul schreibt:

    Sensationslüsternde, Boulevardjournalismus betreibende Schundblätter…

  2. CHESHiRE schreibt:

    Interessant, aber wo sind da jetzt die drei Belege aus Printmedien? Mag zwar sein, dass das Internet-Ableger bekannter Tageszeitungen sind, aber für mein Verständnis sind das dennoch keine Printmedien (Ich betone: für MEIN Verständnis…).

  3. Ghost Dog schreibt:

    Ich gehe einfach mal aus, dass ein Großteil der Nachrichten, die auf den Onlineablegern stehen, spätestens am folgenden Tag auch in der Papierausgabe stehen. Aber wenn man die Aufgabenstellung genau nimmt, hast Du schon recht.

  4. hermannw schreibt:

    Wenn wenigstens der Inhalt der Artikel bei BLÖD und Co. halbwegs wahr wäre, könnte man über die Hetze und Werbung ja hinwegsehen. Blöd das es so einen Riesenmarkt für diese „““Zeitungen“““ gibt. Das Volk möchte „verdummt“ werden.

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