Hotlinespaß #55

Folgender Brief ist vor ein paar Tagen an unser Unternehmen geschickt worden. Ich habe mir nicht ein einziges Wort in dem Schreiben ausgedacht – lediglich ein paar Anonymisierungen habe ich vorgenommen.

Wichtige Information voraus: Das Produkt, um das es sich handelt, kostet im Handel 4,98 EURO. In Worten: Vierachtundneunzig.

Scharlotte Monika Maria Eisen* ./. XYZ GmbH*
wg. Betrugs und seelischer Grausamkeit

Sehr geehrter Herr GHI* (Geschäftsführer der XYZ GmbH*),

ich vertrete die Interessen von Scharlotte Monika Maria Eisen* in oben genannter Angelegenheit. Ordnungsgemäße Bevollmächtigung wird anwaltlich versichert und kann auf Verlangen jederzeit nachgewiesen werden.

Am 9. März erwarb meine Mandantin mit dem ihr für besonders hervorragende Schulleistungen im Minus-Rechnen elterlicherseits zugewendeten Bonus die beigefügte Hörspielkassette aus der von Ihnen produzierten HörspielfigurABC*-Reihe. Meine Mandantin wollte ausdrücklich die Folge 71 „TitelDEF*“ erwerben und wurde bei Karstadt in Bonn fündig. Sowohl durch den Aufdruck auf der Cassettenhülle als auch auf der Cassette selbst wurde in meiner Mandantin die Vorstellung geweckt, die begehrte Episode zu erwerben.

Entgegen ihrer sonst üblichen Angewohnheit ging meine Mandantin an diesem Abend früh ins Bett, um sich von dem erwarteten HörspielfigurABC*-Abenteuer sanft schaurig in den Schlaf begleiten zu lassen. Doch schon nach wenigen Minuten endete das Vergnügen, als meine Mandantin bemerkte, dass ihr nicht die erwartete „TitelDEF*“ dargeboten wurde sondern vielmehr die bis zur Erschöpfung bekannte Episode „TitelKLM Teil 1*“ aus der „HörspielfigurUVW*“-Reihe. Bittere Tränen der Enttäuschung und Albträume waren die Folge dieses ungeheuerlichen Vorfalls.

Ich habe Sie daher aufzufordern, meiner Mandantin unverzüglich eine Cassette mit der begehrten Episode „TitelDEF*“ zukommen zu lassen und sich für die ihr zugefügten Seelenqualen angemessen zu entschuldigen. Meine Mandantin ist empört, wie grausam man ihr mitgespielt hat.

Hochachtungsvoll

Klaus Eisen*
Rechtsanwalt

Was haben wir gelacht. Wahrscheinlich mindestens genauso laut, wie der Vater Rechtsanwalt der kleinen Scharlotte Monika Maria*, als er dieses hochoffizielle Schreiben verfasste.

Die kleine Scharlotte Monika Maria* hat heute die „begehrte Episode“ zugeschickt bekommen. Und als Entschädigung für ihre „Bitteren Tränen der Enttäuschung“, „Albträume“ und „Seelenqualen“ gab es von uns ein herzzerreißendes und ernst gemeintes „Sorry“.

* Namen von der Redaktion geändert

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3 Antworten zu Hotlinespaß #55

  1. hirngabel schreibt:

    Unfassbar… Manche Leute haben doch tatsächlich ein kleines Realitätsdefizit…

    Wobei der „elterlicherseits zugewendete Bonus für hervorragende Schulleistungen im Minus-Rechnen“ schon wieder beinahe brillant ist.

  2. Sanja schreibt:

    ist des geil… ich würde sowas auch schreiben😀

  3. ckwon schreibt:

    Ich nehme an, das Mädel hat gesagt: „Papi, du musst das so richtig anwaltlich formulieren.“ Und da hat Papi den Gefallen erfüllt…Ich glaube nicht, dass das so richtig ernst gemeint war…auch Anwälte haben Humor. Vielleicht.

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