Lied des Tages #118- Ween : Buenas Tardes Amigos

Ween ist eine von den wenigen Bands, die ich kenne, von denen ich genau ein Lied mag, aber ansonsten will mir die Musik einfach nicht gefallen.

„Buenas Tardes Amigos“ ist ein weltweit relativ unbedeutender Song. Er erschien 1994 auf dem Album „Chocolate and Cheese“, wurde nie als Single ausgekoppelt und ist höchstens auf Ween-Konzerten ein Dauerbrenner. Der eine oder andere deutsche Kinozuschauer wird sich aber an das Lied erinnern, ist es doch sowohl im Film „Lammbock“, als auch bei „Herr Lehmann“ zu hören.

Mir hat Jürgen Kuttner das Lied etwa 1994 oder 1995 vorgestellt. Bis vor kurzem hatte Kuttner eine wöchentliche Sendung beim Jugendsender Radio Fritz, in der er sich mit seinen Hörern über die seltsamsten Dinge unterhielt und Perlen aus seinem unendlichen Fundus schräger und unverwechselbarer Musik präsentierte. Vor ein paar Wochen wechselte er zum Erwachsenensender Radio Eins und moderiert seitdem zusammen mit seiner Tochter Sarah die Sendung „Kuttner und Kuttner“ – in der es überraschenderweise darum geht, sich mit den Hörern über die seltsamsten Dinge zu unterhalten und nebenbei schräge bisher weitgehend unbekannte Musik zu spielen.

Aber zurück zum Thema. „Buenas Tardes Amigos“ ist eine mexikanisch beeinflusste Rock-Ballade, bei der mich vor allem das Gitarrensolo jedes Mal vom Hocker haut. Die Stimmung des Liedes wird in diesem einfachen, aber unter die Haut gehenden Solo zu einem Höhepunkt getrieben und bildet die Brücke zwischen dem Erzählen der Geschichte und deren Auflösung. Der Bruder des „Ich-Erzählers“ wurde mit drei Schüssen in den Rücken getötet. Die Mutter verlangt Rache für ihren Lieblingssohn und der Bruder – der Ich-Erzähler – macht sich auf den Weg, den vermeindlichen Mörder zu finden. Am Ende des Liedes findet und tötet der Bruder den Gesuchten, verrät aber zuvor noch, dass er selbst seinen Bruder ermordete, die Wahrheit nun aber niemals ans Tageslicht komme.

Das foldende Video ist ein Fanfilm, der die Story des Liedes aufnimmt und super umsetzt.

Lyrics nach dem Klick:
Ween : Buenas Tardes Amigos

Buenas tardes amigo
Hola, my good friend
Cinco de mayos on tuesday
And I hoped wed see each other again

You killed my brother last winter
You shot him three times in the back
In the night I still hear mama weeping
Oh mama, still dresses in black

I looked at every fiesta
For you I wanted to greet
Maybe Id sell you a chicken
With poison interlaced with the meat

You… you look like my brother
Mama loved him the best
He was head honcho with the ladies
Mama always said he was blessed

The village all gathered around him
They couldnt believe what they saw
I said it was you that had killed him
And that Id find you and upstand the law

The people of the village believed me
Mama… she wanted revenge
I told her Id see that she was honored
Id find you and put you to death

So now… now that Ive found you
On this such a joyous day
I tell you it was me who killed him
But the truth Ill never have to say

Buenas tardes amigo
Hola, my good friend
Cinco de mayos on tuesday
And I hoped wed see each other again
Yes, I hoped wed see each other again
I hoped wed see each other again

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3 Antworten zu Lied des Tages #118- Ween : Buenas Tardes Amigos

  1. JanG schreibt:

    „Ween ist eine von den wenigen Bands, die ich kenne, von denen ich genau ein Lied mag, aber ansonsten will mir die Musik einfach nicht gefallen.“ – ein großartiger Kommentar der es auch für mich genau trifft. Buenas tardes amigo ist aber ein absolutes Gänsehautlied und auch in meiner Best-Of-All-Time-Playlist immer vertreten🙂

    Übrigends: Schöner Artikel🙂

  2. IBee schreibt:

    Auch von mir eine glatte „Eins“ für diesen Song und Deinen Beitrag. Eine gänsehautmäßige Dramaturgie in Musik und Text. Meine Feundin und ich haben eben diesen Text schon häufig erörtert. Entgegen der naheliegenden Deutung, habe ich allerdings eine etwas abweichende Auffassung. Es erscheint mir zu simpel, dass mit der Ermordung eines Sündenbocks die Last der Schuld hinweggefegt sein soll.
    Vielmehr halte ich den Ich-Erzähler für jemanden, der an seiner Schuld schwer trägt. Das dauert nun schon fünf Monate, dass er die Fassade aufrecht erhält. Und dann begrüßt er jemanden als „alten Freund“, dem wiederzubegegenen er gehofft habe. Den hat er aber nach seiner Geschichte noch nie gesehen, da er von ihm selbst erfunden wurde.
    Dann stellt er fest, dass der Angesprochene Ähnlichkeit mit seinem Bruder hat. Das bringt in ihm die Erinnerung zurück, dass er immer der zweite Sohn war. Wer aber kann schon Ähnlichkeit mit seinem Bruder haben?
    Nach dem genialen Gitarrensolo kommt dann der Höhepunkt. Er hat den vermeintlichen Täter gefunden und empfindet dies als freudevoll. Er beichtet seine Tat und es wiederholt sich der Text der ersten Strophe. Diesmal klingt die letzte Zeile in Variation zweimal nach: „I hoped we’d see each other again.“
    Den, den er anspricht kennt er nicht, außer er ist es selbst und spricht zu sich z.B. in einem Spiegel. Dann erklärt sich auch die Ähnlichkeit zu seinem Bruder. Er hat ja verdrängt und nun sieht er sich quasi von außen. Er ist eine gespaltene Persönlichkeit. Das „I hoped we’d see each other again.“ kann dann auch in Richtung des toten Bruders gehen, den er ja nicht nur gehasst haben wird.
    Und dass er die Wahrheit niemals aussprechen darf, ist wohl eine der größten Belastungen seit seiner Tat. In meiner Interpretation geht die Kugel dann in Zeitlupe durch seinen eigenen Kopf.

  3. vegetableman schreibt:

    Leute – bitte nehmt diesen Song nicht zu ernst! Das Lied ist eher als Persiflage auf das typische mexikanische Haudegen-Guitarrero-tum gedacht, mit viel falschem Pathos und eigentlich eh offensichtlich ironisch anmutendem Text. Wer sich etwas mehr mit der Band Ween beschäftigt (was zB der Verfasser ja offenkundig nicht getan hat) wird erkennen, dass es sich dabei eher um eine Spaßkombo handelt, die mMn scharfzüngig auf dem schmalen Grad zwischen Ironie, Schwachsinn und teilweise wirklich tollem Songwriting balanciert. Das und der eigenwillige Humor mit dem die beiden zu Werke gehen macht Ween zu eher schwerer Kost, auf die man sich erstmal einlassen muss, was sicher nicht jedermanns Sache ist. Einige wenige Songs kommen aber tatsächlich ziemlich ernsthaft und schnörkellos daher, und die sind meiner Meinung nach richtig gut – heiße Tipps sind zB „It’s gonna be alright“ oder „Flutes of chi“

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