Hinter dem Waschbeckenschrank

Bernd hasst es. Und er konnte bisher niemanden in seiner Familie dressieren, es für ihn zu machen.

Putzen.

Da seine Wohnung komplett mit Laminat ausgelegt ist, sammeln sich spätestens drei Tage nach dem letzten Staubsaugen wieder die Wollknäule in der Ecke. Staub stapelt sich auf Regalen und Schränken und der „Vielfraß von Nachwuchs“ leistet mit Essensrestenwurfgelagen seinen entscheidenden Beitrag.

„So kann es nicht weitergehen“ sagte er letzte Woche zu mir, nachdem er mal wieder in eine angekaute Weintraube getreten war. „Abhilfe muss her!“

Also checkte er, wie viel Dispo ihm seine Bank einräumt und rief Irina an. Irina ist von Beruf Haushaltshilfe und ihr eilt der Ruf voraus, einen flotten Lappen zu schwingen. Schnell wurden sie sich über ein Bewerbungsgespräch einig.

Sie kam Sonntag vormittag und machte gleich einen kompetenten Eindruck. Ihre Hände schienen perfekt geformt zu sein, um auch an schwierigen Stellen sauber zu machen. Ihre geringe Körpergröße solle Bernd nicht iritieren, meinte Irina. Sie sei schwindelfrei und könne auf einer Leiter eine perfekte Standwaage hinlegen, während sie beidhändig wedelt und wischt. Mit einem schnellen Blick erkannte sie, dass ihre Hilfe dringend nötig ist und bot an, sofort mit der ersten Schicht zu beginnen. Dann könne sich Bernd anschauen, ob sie gute Arbeit verrichtet und danach entscheiden, ob er sie einstellen möchte.

Bernd war begeistert.

Also machte sich Irina ans Werk. Drei Stunden später staunte Bernd nicht schlecht, denn Irina hatte Stellen gesäubert, von denen er noch nicht einmal wusste, dass sie existierten. Besonders schlimm muss es hinter dem Waschbeckenschrank ausgesehen haben, berichtete mir Bernd, denn aus dieser Ecke kam Irina offenbar besonders blass wieder hervor.

Da Bernd noch nie zuvor eine Haushaltshilfe eingestellt hatte, unterrichtete ihn Irina über die Formalitäten. Die Minijob-Zentrale der Bundesknappschaft müsse informiert und Irina dort angemeldet werden. Außerdem muss Bernd Beiträge zur Renten-, Unfall- und Krankenversicherung und Lohnfortzahlung leisten. Nach kurzem Rechnen einigten sich die beiden auf einen angemessenen Stundenlohn und besiegelten das Arbeitsverhältnis mit einem Stück Kuchen.

Bernd läuft seit ein paar Tagen wie ein komplett neuer Mensch durch die Stadt. Er ist jetzt Arbeitgeber und muss von nun an nicht mehr wissen, was der beste Kalklöser ist.

Sein neuer Kalklöser heißt Irina.

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14 Antworten zu Hinter dem Waschbeckenschrank

  1. abk schreibt:

    wie dekadent!

  2. Scheff schreibt:

    Bernd hat jetz ne Haushaltshilfe?!?! Als Hausmann?!?

  3. horst schreibt:

    das nennt man arbeit delegieren…

  4. Ghost Dog schreibt:

    @abk: Auf jeden Fall.

    @Scheff: Arbeitender Teilzeithausmann.

    @horst: …und ist doch irgendwie beneidenswert. Oder?

  5. hermannw schreibt:

    Wer is eigentlich Bernd? Ein Brot? Oder ist das ein Pseudonym?
    Du willst doch nich erzählen, daß DU Dir echt ne Putze zugelegt hast?

  6. Paul schreibt:

    Der erste Schritt zum Abheben.

  7. Thrillhouse schreibt:

    Der feine Herr B-Blogger.

  8. Ghost Dog schreibt:

    @hermannw: Bernd ist kein Brot, soviel ist sicher.

    @Paul: Der erste Schritt wäre ein eigener Fensterputzer. Eine eigene Putzfrau ist dann schon Schritt 2.

    @Thrillhouse: Das B steht dann wohl für „bombastisch behangener Berliner“. Oder?

  9. Paul schreibt:

    Ne Putzfrau putzt doch auch die Fenster😉

  10. Ghost Dog schreibt:

    Gehört zwar nicht zu ihren Kernkompetenzen, aber es ist durchaus im Anforderungsprofil inbegriffen.😉

  11. Paul schreibt:

    Siehste🙂 Wär ja noch schöner, ne Putzfrau die keine Fenster putzt… Ts.

  12. Scheff schreibt:

    Ich kann dit echt nich glooben wat ick hier lese … scheißt der Ad-mini jetz schon uffn Topp dass das eingesparte Windelgeld sinnvoll angelegt wurde?!?

  13. Thrillhouse schreibt:

    Nachdem ich mich kurz gesammelt habe möchte ich Dich hiermit herzlichst Beglückwünschen. Meine Putzfrau kostet sicher erheblich mehr (von den Nerven mal abgesehen).

  14. Pingback: Adventskalender – Türchen Nummer 3 « Die Straßen Von Berlin

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