Aktion: Anglizismenfreie Internettagebuchgemeinschaft

Wir sind die deutsche Blogosphäre, verdammt nochmal, da heißt man nicht „Johnny“, sondern „Jörg“! Wenn man ein Fachblatt für Fremdenfeindlichkeit Sammelsurium für verkappte und tatsächliche Nazis heimatverbundenes und urdeutsches Internettagebuch führt, dann nennt man sich kruzifixnocheins nicht „Politically Incorrect„! Und wer oder was soll bitte ein „Nerdcore“ sein?

Die deutsche Blogosphäre braucht endlich eine deutsche Wortkultur! Viel zu lange hat sich die deutsche Internetcommunity Weltnetzgemeinde durch die parasitäre Verbreitung englischer Vokabeln blenden lassen. Es wurde „Content“ produziert, anstatt einfach Inhalt zu liefern. Man tauschte „Links“ anstelle von Verknüpfungen aus, schrieb „Postings“ und keine „Beiträge“, holte sich „Feedback“ und vergaß dabei das schöne Wort „Resonanz“.

Damit ist nun Schluss! Ich starte hiermit offiziell die Aktion „Anglizismenfreie Blogosphäre Internettagebuchgemeinschaft“.

Hiermit fordere ich alle unten aufgelisteten Internettagebuchführer auf, ihre durch die Englische Sprache vergewaltigten Namen umgehend in ein reines Deutsch zu überführen. Sollten die Änderungen nicht bis übermorgen Sonnenuntergang vorgenommen worden sein, erfolgt eine Meldung bei GfdS, VdS e.V. und SDS mit den entsprechenden Konqequenzen.

Hundefutter
Zeremonienmeister Winkel
Guck-Nicht-Hin-Zuspiel
Täglich Ich
Käferpopo*
Auge sagte es bevor
Übungsleiter Baade
Jörg Haeusler – Ich lebe beim Fluß
Der Laden-Weltnetztagebuchschreiber
In-Die-Rechenmaschine-Vernarrter Kern
Das fortgeschrittene Nuf
Basics denkendes Weltnetztagebuch**
Eingebildete Tiere
Lyssas Sitzecke
Julia Paradies
Gesetzes-Weltnetztagebuch
Maiwetter
Mario Sechstus
Der Populärkulturabhängige
Wunderfrau
Die Bühnenhechtspringerinnen
Nervenkitzelhaus
Schriftarten-Weltnetztagebuch

Und – äh: Geisterhund

Dies soll nur der erste Schritt sein, die deutsche Sprache endlich wieder reinzuwaschen. Denn ich fordere darüberhinaus die sofortige Ausweisung von Gail Tufts und die Re-Germanisierung deutscher Umgangsvokabeln: weg vom „Computer“, hin zur „Rechenmaschine“; weniger „Softeis“, mehr „Weicheis“; keine „Brainstormings“, sondern „Gehirnstürme“; man macht kein „Car Sharing“, es heißt „Automobilaufteilung“! Weg mit dem „Drive In“ und der „Hotline“, Deutschland braucht den „Durchfahrt-Schnellimbiß“ und den „Telefondienst“!

Helfen Sie mit, dass unsere Kinder das Deutsch nicht verlernen!

* Nach Rücksprache mit dem Autor der betreffenden Seite nehme ich davon Abstand, den Begriff „Beetlebum“ als „Versager“ bzw. „Verpeiler“ zu übersetzen.
** Über eine Zwangsumbenennung des Familiennamens von „Robert Basic“ in „Robert Grundlegend“ wird zu einem gegebenen Zeitpunkt entschieden.

Dieser Beitrag wurde unter Blogroll, Links, Media, Organisatorisches, Persönlich, www veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

26 Antworten zu Aktion: Anglizismenfreie Internettagebuchgemeinschaft

  1. Thrillhouse schreibt:

    Lieber Herr Geisterhund,

    gern werde ich der oben genannten Aufforderung Folge leisten. Jedoch bitte ich darum, erstmal die eigene Baustelle fertig zu stellen und verweise auf den „Feed“ zu diesem Beitrag gleich links neben der „Trackback-Adresse“. Von dem „Best of“ im „Header“ oder den „Categories“ rede ich besser erst später.

    Best greetings, Thrillhouse

  2. Kittyluka schreibt:

    also… weißte… öhm. Ich unterstütze deinen Vorschlag.

    Aber nur wegen Jojo dem Käferpopo!😀

  3. Maiwetter schreibt:

    Ja, durchaus. Diskussionswürdig. Ich habe in einem ersten Anflug von Aktionismus sogar mal eben eine neue Domain bestellt.

  4. M@rtin schreibt:

    Prinzipiell erhälst du von mir Zustimmung.

    ABER:
    Es gibt Dinge, die lassen sich nicht rückgängig machen, sei es, weil es Fachsprache ist oder weil es inzwischen ein deutsches Wort ist und sogar im Duden steht.
    „Resonanz“ ist zum Beispiel auch aus dem Französischen übernommen und eingedeutscht worden.
    Ich halte die Übersetzung von „Brainstorming“ in „Gehirnstürme“ für mehr als fragwürdig. Im Übrigen ist „Brainstorming“ im Duden als deutsches Wort aufgenommen und wird hier mit „Geistesblitz“ übersetzt, was meiner Meinung nach auch nicht optimal ist, aber angemessener als „Gehirnstürme“.

    Sicherlich kann man bei einigen Begriffen tatsächlich auf deutsche Begriffe zurückgreifen. Das versuche ich stellenweise auch, aber wie bereits gesagt, sobald es ins Fachliche geht, ist man fast gezwungen diese nicht-deutschen Begriffe zu verwenden. Das ist für den Ottonormalverbraucher sicherlich nicht einfach. Aber wenn ich zum Arzt gehe und den Onkel Doktor frage, woran ich denn leide, dann wirft auch nicht zwangsläufig mit deutschen Begrifflichkeiten um sich, sondern mit lateinischen…

  5. Paul schreibt:

    Englisch ist das französisch des 21. Jahrhunderts.

  6. CHESHiRE schreibt:

    Ich schließe mich meinem Vorredner an. Ich füge aber noch hinzu, dass man Eigennamen nicht übersetzen soll (vielleicht sogar darf). Soll heißen, dass du ruhig GhostDog bleiben kannst, wonderwoman wonderwoman, Thrillhouse Thrillhouse und so weiter und so fort. Weiter gibt es dazu eigentlich nix zu sagen. Jedenfalls fällt mir gerade nix ein.

    Als nächsten sollten wir alle dem Deppenleerzeichen, dem Deppenapostroph und den anderen Deppensatzzeichen den Kampf ansagen. Ziehen wir wie Don Quijote in die Schlacht, nur sollten wir sie geschickter schlagen😉

  7. M@rtin schreibt:

    Ja, gerade die Deppenapostrophe bringen mich immer zum Austicken… Cheshire kennt das von mir nur zu gut😀 .

  8. CHESHiRE schreibt:

    Ach, M@rtin, du hast dich ja gebessert. Ichsuchdich… äh ICQ ist ja doch ganz praktisch. Ich meinte vorhin mit „Vorredner“ natürlich nicht Paul – den Kommentar hab ich noch gar nicht gesehen, als ich tippte. Aber auch er hat irgendwie recht.

    Mir ist aber noch was eingefallen: alles fängt schon in der Schule an. Ausgerechnet im Deutsch-Unterricht. Was in der Grundschule zum Beispiel noch als „Tätigkeitswort“ oder „Gegenstandswort“ bezeichnet wird, wird spätestens in der siebten Klasse als „Verb“ bzw. „Substantiv“ bezeichnet. Warum heißt das „Deutsch-Unterricht“, wenn man doch fast das kleine Latinum benötigt, damit man sich zurecht findet?

    Da könnte ich mich jedes Mal drüber aufregen, nur bin ich dessen langsam überdrüssig. Mann, Mann, Mann…

  9. Thrillhouse schreibt:

    Dann –>oute<– ich mich erstmal als Depp: was sind Deppenleerzeichen und was ist ein Deppenapostroph?

  10. M@rtin schreibt:

    Deppenapostroph: Martin’s Blog –> weil es korrekt Martins Blog lauten muss
    Deppenleerzeichen: Man setzt ein Leerzeichen, wo eigentlich gar keins hinkommt. Dazu gibt’s (hier muss es so aussehen) unter http://www.deppenleerzeichen.de viele Beispiele🙂 .

  11. Ghost Dog schreibt:

    [manche Leute können keine Satire erkennen, wenn man sie damit von oben bis unten anmalt]

  12. CHESHiRE schreibt:

    Du hast das nicht ernst gemeint mit der Aktion? Schäm‘ dich!

  13. Paul schreibt:

    Doch. Aber ich wollte endlich mal meinen klugen Satz anbringen🙂 Darauf warte ich schon, seit ich ihn das erste Mal gelesen habe😀

  14. Thrillhouse schreibt:

    Paul: Schöner Satz, ganz toll.
    Ghost Dog: Ich bin erschüttert.

  15. M@rtin schreibt:

    Ich ebenfalls…

  16. Sobald Mario seinen Nachnamen in „Sechstus“ ändert, ziehe ich nach und benenne mein Blog auch um😉

  17. Ghost Dog schreibt:

    Ich werde darauf zurückkommen!

  18. Rick schreibt:

    Eine vernünftige Initiative, Herr Geisterhund.
    Allerdings darf sie nicht bei den Anglizismen enden. Partout gibt es genug hommes die peu à peu das Deutsche mit Frankophilem unterminieren. Oder man denke an die Kochblogger die Brotfladen immer noch mit Italismen (Pizza) bezeichnen, von Teigwaren und Reibhartkäse ganz abgesehen. Die Esoterikblogger vergiften die Raum-&Mentalverbesserungsmaßnahmen mit Feng Shui. Krusenstern schreibt gar kyrillisch. Die Intellektuellen prahlen mit lateinischen und altgriechischen Lehnwörtern. Der sprachliche Frühjahrsputz im Oktober muss also gründlicher sein als nur mit den Anglizismen.
    Hug!

  19. Frédéric schreibt:

    Damals hieß ich Friedrich…

  20. Frédéric schreibt:

    Achso, und Automobilaufteilung geht gar nicht. Das muss Selbstfahrzeugsaufteilung heißen.

  21. Ghost Dog schreibt:

    Friedrich bringt mich gerade darauf, dass ich „Fooligan“ – oder wie es korrekt lauten würde „Fußball-Rabauke“, völlig vergessen habe.

  22. Trainer Baade schreibt:

    In dieser Blogroll heiße ich schon länger so, ohne dass ich etwas dafür könnte.

  23. Sanja schreibt:

    ich bin gegen germanizismen. das zerstört nur das intellektuelle neu-deutsch

  24. Julia Paradies schreibt:

    Jawoll, mein Reggulador!

  25. hermannw schreibt:

    @Rick: Pizza, Parmesan u.a. sind auch Eigennamen für typische Gerichte, die Du ebenfalls zu nicht übersetzen brauchst.

    @Martin: Medizinische Fachsprache ist kein Latein, sondern nur teilweise am lateinischen angelehnt. Viele Begriff sind auch Griechisch und mit der Grammatik haut es häufig überhaupt nicht hin. Wie zum Beispiel das schöne Beispiel Pädiatrie = Kinderheilkunde zeigt. Im Lateinischen heißt das Kind „infant“, ein Kinderarzt müßte also Infanterist sein und das Gebiet mit dem er sich beschäftigt die Infanterie.

    Ansonsten:
    Viel Glück für Dich Ghostdog, aber wir wissen beide, daß wir keine Chance haben.

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