Stöckchen #6 – Top Ten Of My Life (Teil 1)

Rolle war so freundlich, mir ein Musikstöckchen zuzuwerfen. Ich soll die 10 Lieder meines Lebens nennen.

Nur 10 Lieder zu nennen, ist für mich schwerer als der Sarg von Luciano Pavarotti, aber ich werde versuchen, einen halbwegs repräsentativen Querschnitt zu finden.

Nr. 1: Guns N‘ Roses : Patience – Mein Musikgeschmack brauchte ein paar Jahre, um sich zumindest halbwegs zu formen. New Kids On The Block und belanglose Lieder aus dem Radio konnten nicht alles gewesen sein, also hielt ich mich in der fünften und sechsten Klasse an Schulfreunde, die schon etwas weiter waren und Die Toten Hosen, Die Ärzte oder eben Guns N‘ Roses hörten. Und es war ein Polenmarkt, auf dem ich meine ersten echten Rockalben kaufte. Zwar beging ich neben U2 und Guns N‘ Roses damals noch Geschmacksverbrechen, indem ich Roxette oder Matthias Reim mitkaufte. Aber die polnischen Kopien kosteten nur 4 DM, da nahm ich mit, was ich kriegen konnte.
Ich habe es hier im Blog irgendwo schonmal geschrieben, dass ich mit etwa 16 de Entschluss gefasst habe, dass das Lieblingslied meines ganzen Lebens „Patience“ sein sollte. Ich konnte es nie leiden, wenn jemand sagte, dass sein Lieblingslied diese Woche dieses und nächste Woche wieder ein ganz anderes sei.
Heute würde ich „Patience“ nicht mehr in die Top 50 meiner Lieblingslieder wählen, aber damals habe ich meinen Kassettenspieler ununterbrochen mit dem Gepfeife von Axl Rose gequält.

Nr. 2: Pearl Jam : Off He Goes – Heini (regelmäßigen Lesern bereits bekannt) war in der 7. und 8. Klasse derjenige von den Jungs aus meiner Klasse, der die wenigste Ahnung von Musik hatte. Wenn wir bei ihm waren, konnten wir aus zwei CDs wählen: Hape Kerkeling und Helge Schneider. Also bekam er von uns nach und nach CDs und Kassetten, um endlich einen eigenen (und vor allem guten) Musikgeschmack zu entwickeln. Und es verging vielleicht ein Jahr, bis sich alles umdrehte. Heini war nun derjenige, der anfing Platten zu sammeln, der sich perfekt in der Musikszene speziell in Seattle auskannte und von dem sich nun alle Tipps für neue Bands holten. Und wenn ich mich richtig erinnere, brachte er auch den Pearl-Jam-Hype in unsere Runde. Ich wurde natürlich auch infiziert und bin auch knapp 10 Jahre später noch nicht wirklich von diesem Trip runter.
„Off He Goes“ ist das wohl beste Lied des 1996er Albums „No Code“, das ich (ähnlich wie bei „Patience“) irgendwann zu meinem All-Time-Pearl-Jam-Liebslingslied erkoren habe. Und dazu stehe ich noch heute. Auch wenn ich erst vor ein paar Minuten herausgefunden habe, worum es in diesem Lied wirklich geht (meine Theorie war ja sowas von weit daneben), kann ich „Off He Goes“ zu jeder Tages- und Nachtzeit hören und mich jedes Mal aufs Neue in die Melodie und den Text verlieben. Die Zeile „Nothing’s changed – but the surrounding bullshit – that has grown“ hängt noch heute bei mir an der Wand.

Nr. 3: RZA : Opening Theme („Raise Your Sword“) – Ich weiß nicht, ob ich heute den Nicknamen Ghost Dog tragen würde, wenn ich nicht im Winter 2000 den obligatorischen „Einführungsdienst für Zivildienstleistende“ in Braunschweig gemacht hätte. Eine Woche lang musste ich tagsüber den Lehrgang über mich ergehen lassen. Da ich zu der Zeit keinen großen Wert auf zwischenmenschliche Kontakte mit anderen Zivis gelegt habe, die dort hauptsächlich zum Saufen und „Party machen“ waren, ging ich jeden Abend mit CD-Player und Kopfhörer bewaffnet los, um ziellos durch Braunschweig zu spazieren. Zu sehen gab es dort nichts. Eine hässliche Stadt, deren größter Vorteil es ist, dass es nur wenige Kilometer entfernt mit Wolfsburg eine noch hässlichere Stadt gibt.
Zumindest fand ich in der Innenstadt ein kleines Kino, das zu der Zeit genau einen Film im Programm hatte „Ghost Dog – The Way Of The Samurai“. Beim ersten Mal ging ich noch aus Mangel an Alternativen rein, aber der Film (in Verbindung mit meiner Grundstimmung in der Zeit) hat mich so vom Hocker gehauen, dass ich an den zwei folgenden Abenden gleich nochmal in den Film gegangen bin. Bis heute habe ich „Ghost Dog“ bestimmt schon dreißig Mal gesehen. Der Vorspann, der mit einer fliegenden Taube über den Dächern einer Stadt beginnt, wird mit einem wunderbaren Introstück von RZA untermalt. Allein die Anfangssequenz reicht, um sich in den Film verlieben zu können.

Nr. 4: Tom Waits : Innocent When You Dream – Es hat nicht gut angefangen mit mir und Tom Waits. Auf Empfehlung hin habe ich mir etwa 1997 zwei Alben vom Wühltisch bei Saturn gekauft. Zu hause habe ich in beide CDs reingehört und mich geärgert, dass ich Geld für so einen Besoffenen mit seiner schrägen Musik ausgegeben habe. Einige Zeit später war die Zeit dann reif. Ich hörte bei Freunden ein paar Perlen von Waits und kramte meine eigenen CDs wieder aus. Seitdem bin ich verfallen.

Nr. 5: Tocotronic : Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk

Achte Klasse. Auf einmal gab es Tocotronic und wir alle fanden sie gut. Wir konnten die Songs mitspielen, weil Tocotronic damals noch auf C, D, E, G, A und vielleicht noch ab und zu ein F (Barree-Akkord!) beschränkt waren. Die Texte waren deutsch und sie passten zu uns.
Ich war in meinem Leben bei mindestens sechs Tocotronic-Konzerten, auch wenn ich nur bei höchstens zweien Eintritt bezahlt habe. Die drei Jungs waren damals unsere Helden, weil sie authentisch und leicht nachzuspielen waren.
Mit jedem neuen Album kamen aber neue Akkorde, neue Effektgeräte und andere Instrumente dazu. Irgendwann drifteten auch die Texte ab und sie klangen für mich nur noch nach Blumfeld, die ich nicht ausstehen kann. Aber die ersten vier Tocotronic-Alben kann mir keiner mehr wegnehmen. Sie haben vier bis fünf Jahre meines Lebens mitgeprägt.

Jetzt brauche ich erstmal etwas Zeit, um die anderen fünf Songs zusammenzustellen. Die Auswahl ist riesig und da will ich keinen Fehler machen. Teil zwei folgt also in wenigen Tagen.

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3 Antworten zu Stöckchen #6 – Top Ten Of My Life (Teil 1)

  1. Casa schreibt:

    Na da schau her, auch ichhabe Off He Goes als einen Song of My Life eingeordnet! 🙂 Ist aber auch gut, der Song!!

  2. Pingback: Stöckchen #6 - Top Ten Of My Life (Teil 2) « Die Straßen Von Berlin

  3. Pingback: Circumaural « Die Straßen Von Berlin

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