Warum gibt es das eigentlich nicht in Deutschland?

Auslandsaufenthalte zeigen mir immer wieder, woran es in Deutschland hapert. Ich rede jetzt nicht von der Arbeitslosigkeit oder der CSU, sondern es geht um deutsche Defizite, die im Grunde so einfach zu beheben wären. Dazu bräuchte man nur einen Wandel in der Mentalität der Menschen und hier und da einen fortschrittlichen Gesetzgeber.

Dänen (bzw. Skandinavier im Allgemeinen) sind sehr freundliche und hilfsbereite Menschen. Geht man in ihren Laden, wird man wie ein guter Kunde behandelt. Spricht man sie auf der Straße an, um nach dem Weg zu fragen, bekommt man eine freundliche und korrekte Auskunft. Geht man in deutsche Geschäfte, hat man oft das Gefühl die Verkäufer um Entschuldigung bitten zu müssen, weil man sie belästigt.

Skandinavische Verkäuferinnen unter 30 sehen fast immer gut aus, sind nett und gebildet. Deutsche Verkäuferinnen unter 30 haben die Schule nach der 10 Klasse abgebrochen, ein paar Ausbildungen angefangen, bis sie Kassiererinnen wurden und sehen dementsprechend verbraucht aus.

In Dänemark gibt es kaum Zäune um Grundstücke. Hecken sind nicht zwei Meter hoch, um die Nachbarn vor neugierigen Blicken abzuhalten. In Deutschland würde sich jeder Eigenheimbesitzer am liebsten eine Kopie der Mauern von Stammheim um den Garten bauen, um sich ganz in Ruhe am Sack kratzen zu können, wenn er den Rasen am Sonntag mittag mäht.

In skandinavischen Museen werden die Exponate nicht hinter verpanzerten Scheiben oder Trennseilen versteckt, sondern sind offen zugänglich. Besucht man das Schloss Sanssouci in Potsdam, gibt es mehr Absperrungen als Ausstellungsgegenstände. Besucht man das dänische Schloss Gammel Estrup, kann man sich auf dem gesamten Grundstück frei bewegen und taucht regelrecht in das Leben ein, das vor mehreren hundert Jahren herrschte (später dazu mehr).

In Dänemark stellt man sich beim Bäcker nicht in eine Warteschlange, sondern zieht eine Wartenummer. So kann man in der Zeit, bis man aufgerufen wird, ungestört und ohne seinen Warteplatz zu verlieren, das Warenangebot studieren. Ist in einem Supermarkt eine Warteschlange zu lang, werden sofort und ohne Nachfragen der Kunden mehrere neue Kassen geöffnet.

Auf dänischen Straßen gelten Geschwindigkeitsbegrenzungen, die von den meisten Kraftfahrern auch eingehalten werden. Auf der Autobahn darf man nicht schneller als 110 bzw. 130 fahren und auf Landstraßen gilt Tempo 80 bzw. 90. Das Reisen ist so viel entspannter, spart Unmengen an Kraftstoff und schont nebenbei auch die Umwelt. In vierzehn Tagen Dänemark habe ich exakt zwei Mal ein Polizeiauto gesehen. Gesetze sind in Skandinavien also dazu da, um sie einzuhalten und nicht wie in Deutschland, um sie in einem unbeobachteten Moment zu brechen.

In Skandinavien müssen alle Fahrzeuge tagsüber mit Abblendlicht fahren. Ich behaupte, dass dadurch viele Unfälle verhindert werden.

Skandinavische Innenstädte sind sauber. Nicht, weil dort alle fünf Minuten die Straßenfeger kommen, sondern weil es genug Mülleimer gibt und die Menschen sie dann auch benutzen.

An Tankstellen bezahlt man in der Regel mit Geldkarte direkt an der Zapfsäule. Man steckt die Karte in ein Lesegerät, gibt die Geheimnummer ein, betankt sein Auto und lässt den offenen Betrag dann abbuchen. In Deutschland bezahlt man im angeschlossenen Shop an der Kasse.

In skandinavischen Städten hängen Zeitungskästen. Man steckt eine Münze ein und entnimmt dann eine Zeitung. In Berlin hingen mal Zeitungskästen, aber nie steckte jemand Münzen ein, sondern es wurden nur Zeitungen geklaut.

In Skandinavien werden technische und technologische Fortschritte viel schneller in das Leben integriert, als im konservativen Deutschland. Der Staat fördert verstärkt alternative Energiegewinnung und andere Innovationen, während in Deutschland weiterhin Bergbau subventioniert wird.

[Update 18.10 Uhr:]
Kreisverkehre sind eine wunderbare Erfindung, um Straßen möglichst ohne große Staugefahr kreuzen zu lassen. Vor dem Kreisverkehr muss man die Vorfahrt beachten, im Kreisverkehr hat man Vorfahrt. Wer aus dem Kreisverkehr herausfährt, zeigt das den anderen Verkehrsteilnehmern durch Blinken an. In jedem Land ist das kein Problem, nur in Deutschland kriegt man das offensichtlich nicht gebacken.
In Berlin gibt es sogar einen Kreisverkehr, in dem von außen Vorfahrt hat und im Kreis Rechts vor Links beachten muss.

Ich mag Deutschland. Aber ich könnte es noch mehr mögen…

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6 Antworten zu Warum gibt es das eigentlich nicht in Deutschland?

  1. Robert schreibt:

    Um auch mal was gut zu finden in Deutschland: Bisher ist Abblendlicht in Tyskland nicht Vorschrift, da das den Sicherheitsgewinn der Mopeds/Motorräder zu Nichte machen würde, welche ja Abblendlichtpflicht haben.
    In Danmark isses da etwas leichter, da die Mopeds da auf den Fahrradwegen geduldet werden.

  2. Martin schreibt:

    Ich kann noch ein Beispiel zum Thema Verkehrsberuhigung finden:

    In den USA kann man auf den Autobahnen und Strassen rechts und links ueberholen – in Deutschland ausserhalb geschlossener Ortschaften nur links. Dadurch fuehlte sich fuer mich der Verkehr wesentlich fluessiger an, da Mittelspurlangsamfahrer nicht muehsam ueberholt werden muessen, sondern mehr Platz da ist.

    In den USA wird dem Kreisverkehr eine geaenderte Stoppschildregelung entgegengesetzt: Haben alle Parteien ein Stoppschild (4-way) gilt: Wer zuerst kommt faehrt zu erst. So muss sich der Verkehr einfaedeln und ist im Prinzip so wie im Kreisverkehr nur halt fuer eine Kreuzung. Laestiges warten, weil immer einer von rechts kommt, gibt es so nicht.

  3. M@rtin schreibt:

    @Martin
    Dann möchte ich nicht sehen/erleben, wie der 75jährige Opa sich auf der Autobahn verhält, wenn er gleichzeitig rechts und links mit 240 überholt wird…
    Die USA hat doch ein ganz anderes Netz. In Deutschland gibt es Autobahnen ohne Geschwindigkeitsbegrenzungen usw.
    Man kann auch Äpfel mit Birnen vergleichen 😉 .

    Zum Thema Kreisverkehr:
    „In Berlin gibt es sogar einen Kreisverkehr, in dem von außen Vorfahrt hat und im Kreis Rechts vor Links beachten muss.“
    Das ist KEIN Kreisverkehr, wenn ich meinem Polizei-Kollegen Glauben schenken kann. Ein Kreisverkehr ist mit dem Verkehrszeichen http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Zeichen_215.svg gekennzeichnet. Ist dieses nicht vorhanden, ist es kein Kreisverkehr. Nur, weil es nach einem Kreis aussieht, heißt es noch lange nicht, dass es ein Kreisverkehr ist.

    Zum Thema Müll:
    Ein klasse Beispiel, erst vor kurzem geschehen: http://blog.mafsw.de/allgemein/mcdonalds-vs-burger-king-oder-wer-erklart-einem-mcdonalds-kunden-was-ein-mulleimer-ist/

    Allgemein denke ich, dass die Mentalität der EU-Bürger so stark auseinanderläuft, dass man die Bürger eigentlich auch nicht miteinander vergleichen kann. Sicherlich gibt es Punkte, die uns an uns nicht gefallen. Ebenso geht es aber vermutlich auch den Dänen, Skandinaviern,… 😉

  4. Ghost Dog schreibt:

    @martin: Also rechts überholen auf der Autobahn muss nicht sein. Wenn es die Leute endlich schaffen, rechts zu fahren, dann läuft das auch.

    @m@rtin: Also die von mir gemeinte Stelle in Berlin Wedding wurde mir bei der Fahrschule als Kreisverkehr vorgestellt, „wo alles ein bisschen anders läuft“. Wenn es also nach der StVO kein Kreisverkehr ist, schiebe ich die Schuld auf Herrn Böttcher.

    Die Müllgeschichte passt zwar nicht ganz zu unserem Thema, kann ich aber im Großen und Ganzen so unterschreiben.

    Es wäre auch wirklich doof, wenn alle die gleiche Mentalität hätten, aber warum sollen sich nicht die einen oder anderen mal von denen was abschauen, die es einfach besser können? Deutschland ist in vielen Gebieten Vorreiter, aber man muss auch offen genug sein, um gegenüber Verbesserungen und Innovationen offen zu sein. Ich wette, dass es viele Skandinavier gibt, die bestimmte Eigenschaften bei den Deutschen mögen und sie versuchen, bei sich zu etablieren. Darum stehen die nordischen Länder ja weit vorn, wenn es um Innovationsfreude geht.

  5. donvanone schreibt:

    Und wenn es nicht in Berlin ist, so gab es so einen Kreisverkehr zumindest mal in meinem Heimatdorf (Gladbach/Neuwied). Das gesamte Dorf ist nämlich 30er-Zone, demzufolge gilt überall rechts vor links (es gab auch bis vor kurzer zeit keine einzige Stelle, an der eine Ausnahme gemacht wurde, selbst bei der „Hauptstraße“ muss man (theoretisch) auf die Mini-Seitenstraßen achten).
    Und als wir dann einen Kreisverkehr bekommen haben (einen echten, also mit dem Schild. Unser echtes Verkehrshighlight im Dorf, Ampeln oder Zebrastreifen kennen wir nicht (mehr)), galt da natürlich auch rechts vor links.
    Das war dann aber wohl den Leuten nicht unbedingt klar, daher wurde das dann irgendwann geändert. Bis sich diese Änderung dann aber in allen Köpfen festgesetzt hatte war es immer ein Abenteuer, heil durch den Kreisel zu kommen…

  6. M@rtin schreibt:

    @GhostDog
    Passte nicht wirklich, aber es zeigt, wie die Leute an sich mit sich selbst umgehen. Sicherlich gibt es das anderswo auch, aber warum gibt es in Deutschland eigentlich keine sauberen Plätze – um das jetzt einfach mal als Frage zu formulieren.
    Allgemein wird alles, was wie ein Kreis aussieht, als Kreisverkehr bezeichnet 😉 , aber korrekt ist’s eben nicht.

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