Top 5 Modevergehen meiner Jugend

Jeder von uns hat in seiner Jugend Modesünden begangen, das liegt in der Natur der Sache. Auch ich bin davon nicht ausgeschlossen und möchte Euch heute die Top 5 meiner Jugend-Modesünden aufzählen.

Die Top 5 knapp verpasst hat der Tag, an dem ich mit Trikot, Fanschal und Baseballcap von Bayern München in die Schule gegangen bin. Auch nicht dabei ist die Sportstunde, in der ich nur mit Radlerhose dastand, weil ich meine Sporthose vergessen hatte. Ebenfalls gescheitert ist der Tag, an dem ich mit Schulfreundinnen in der Galeria Kaufhof war und mit 10 verschiedenen Nagellackfarben an den Nägeln wieder rausging.

Platz 5: Die rote Jeans

Wenn man noch nicht alt genug ist, um selbst zu merken, welche Klamotten gut aussehen und welche nicht, aber schon zu alt, um sich von Mutti vorschreiben zu lassen, was man anziehen soll, dann kommt meist nichts gutes raus. So auch bei mir.

In der fünften Klasse war ich wohl, als ich mit meiner Mutter eines schönen Tages mal wieder einkaufen gegangen bin, weil ich eine neue Hose brauchte. Meine Mama wollte was schönes, ich was cooles. Hätte ich mal auf Mutti gehört…

Aus dem Jeansladen rausgegangen bin ich nämlich mit einer feuerroten Jeans, die so weit geschnitten war, dass ich locker als Wetterballon durchgegangen bin. Heutzutage wird das wohl als eine Mischung aus Baggy und Boot Leg durchgehen. Aber ich fand sie gut. Konnte ich doch mit den Mitschülern mithalten, die auch alle bunte Jeans trugen.

Ich bin froh, dass die Kinder damals noch keine Mobiltelefone mit Fotofunktion hatten.

Platz 4: Zwei Ohrringe im linken Ohrläppchen

Ohrringe bei Männern sind grenzwertig. Das war vor ein paar Jahren noch anders, als jeder Kerl einen kleinen Brilli im Ohr trug. Ich war, wie so oft, meiner Zeit weit voraus, denn meinen ersten Ohrring hatte ich schon in der dritten Klasse. Ich war noch Bürger der DDR und wenn man sich ein Ohrloch stechen lassen wollte, ging man nicht zu Friseur oder ins Piercingstudio, sondern zu Mutti in die Küche.

An diesem Abend fand bei uns in der Küche eine richtige kleine Session statt, denn mein Vater, mein Bruder und ich bekamen alle von meiner Mutter Ohrlöcher gestochen. Was sie dafür brauchte, lag alles schon bereit: Ein paar ungekochte Kartoffeln und Rouladenspieße.

Ich bekam eine in der Mitte durchgeschnittene rohe Kartoffel und hielt jede Hälfte an eine Seite des Ohrläppchens. Laut meiner Mutter sollte das kühlen, damit der Stich nachher nicht so wehtut. In der Zwischenzeit hielt sie die Rouladennadel über den Gasherd und erhitzte ihn (rückblickend betrachtet hätte man uns in diesen paar Minuten auch für eine Heroinhöhle halten können). Als die Nadel glühte, nahm ich die Kartoffelhälften weg und verabschiedete mich von meinem Leben. Doch so schlimm war es gar nicht. Als meine Mutter die Nadel durch mein Ohrläppchen jagte, roch es kurz nach Fleisch, aber es tat kaum weh. Es kam auch kaum Blut und als ich kurze Zeit später meinen Stecker im Ohr hatte, fühlte ich mich wie ein Mann.

Das zweite Ohrloch habe ich mir dann fünf oder sechs Jahre später in einem Friseur stechen lassen. Es war total unspektakulär: ich legte einen Zehner auf die Theke, eine Dame kam mit einer Pistole, ich hielt kurz still und das wars.

Von da an war ich stolzer Doppel-Ohrring-Träger. Und wenn es damals nicht so modern gewesen wäre, würde ich mich heute noch viel mehr dafür schämen.

Die Löcher habe ich beide heute noch, aber Schmuck im Ohr trage ich seit mindestens fünf Jahren nicht mehr.

Platz 3: Der Zopf

Frisurentechnisch war ich meiner Generation schon immer um Weiten voraus. Meistens allein deshalb, weil sich kein anderer das antun wolle, was ich mit meinen Haaren veranstaltet habe. Ein Highlight war der Zopf, den ich im Alter von 16 oder 17 zwei Tage lang trug. Ich rede jetzt aber nicht von dem klassischen Pferdeschwanz, sondern dem Zopf, der nur die Deckhaare zusammenhält, weil die Haare an den Seiten und am Hinterkopf kurzgeschoren sind.

Nach der Schule bin ich so zu meiner ersten Freundin gegangen. Ich befürchte meine Frisur an dem Tag war der Anfang vom Ende.

Ich bin aber sehr froh, dass die Schüler damals noch keine Mobiltelefone mit Fotofunktion hatten.

Platz 2: Schachbrettmuster in die Haare rasiert

Elfte Klasse – Klassenfahrt mit einem Segelschiff auf dem Ijsselmeer in Holland. Meine Haare waren zu der Zeit kurz geschoren, ich schätze so einen halben Zentimeter lang. Leider kann ich mich nicht mehr daran erinnern, wie es dazu gekommen ist, aber ich weiß, dass ich auf einmal auf einem Stuhl saß und Jakob mir mit einem Kugelschreiber Striche auf den Kopf malte. Dann schnappte er sich einen Nassrasierer und etwa eine Stunde später hatte ich auf dem Kopf einen Stern einrasiert. Und rundherum ein Schachbrettmuster.

Nach unserer Rückkehr von der Klassenfahrt habe ich nicht, wie man vielleicht vermuten würde, alles rückgängig gemacht und mit einer Haarschneidemaschine alles geebnet. Nein, ich habe mir zu allem Überfluss ein Haarfärbemittel gekauft und bin tags darauf mit einem roten Stern auf dem Kopf mit Schachbrettmuster rundherum zum Sportfest gegangen.

Leider hatten zu dieser Zeit schon einige Leute Fotoapparate, so dass ich befürchte, dass von diesem Fauxpas noch Beweisstücke existieren.

Platz 1: Kniestrümpfe und kurze Hose

Diese Aktion ist gerade mal zwei Jahre her, daher zählt sie eigentlich nicht mehr zu den Jugendsünden, wird aber gerade deshalb unangefochtener Sieger.

An einem Sommertag bin ich morgens aufgestanden und habe aus meiner Sockenschublade die grauen Socken gegriffen, die man landläufig auch als Kniestrümpfe bezeichnet. In einem wahnhaften Anfall habe ich nicht getan, was ich jedes Mal getan habe – die Strümpfe so oft umschlagen, bis sie nur noch als kurze Socken durchgehen. Ganz im Gegenteil: Ich habe sie mir bis in die Kniekehlen gezogen, dazu eine kurze Hose getragen und bin so einen Tag lang in der Stadt unterwegs gewesen. Ich sah aus wie Patrick Femerling vor einem entscheidenden Freiwurf. Nur mit dem Unterschied, dass er doof aussieht und viel Geld dafür bekommt und ich einfach nur doof aussah.

Ich bin aber sehr froh, dass ich an diesem Tag keinen mir bekannten Menschen getroffen habe, der ein Mobiltelefon mit Fotofunktion hatte.

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3 Antworten zu Top 5 Modevergehen meiner Jugend

  1. klaika schreibt:

    check das hier und werde glücklich: http://streetfancy.blogspot.com/.

  2. Ghost Dog schreibt:

    Auf einmal haben meine Modesünden eine viel kleinere Dimension.

  3. Ghost Dog schreibt:

    Ich konnte vorhin kein passendes Bild zu meinem Patrick-Femerling-Vergleich finden, aber drüben im Nachspiel hat mir nolookpass unter die Arme gegriffen.

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