Killerspiele verbieten!

Edmund Stoiber hat natürlich wie immer recht: „Killerspiele animieren Jugendliche, andere Menschen zu töten.“ Darum gehören sie verboten.

Doch halt: Was passiert dann nach dem nächsten Amoklauf? Wenn herauskommt, dass der Täter gar keine „Killerspiele“ gespielt hat? Werden dann „Killer-Filme“, „Killer-Musik“ oder „Killer-Webseiten“ verboten? Und danach? Werden dann schwarze Klamotten verboten, weil alle Amokläufer schwarz tragen?

Wann kommt endlich mal ein Politiker aus dem Arsch und erkennt, dass Spiele und Filme kein Grund für solche Taten sind? Dass ein Verbot purer Aktionismus ist, der absolut nichts bewirkt? Könnte sich vielleicht mal jemand die Hilferufe (Blogeinträge, Foreneinträge, Briefe) des Jungen durchlesen und nachvollziehen, was wirklich schief gelaufen ist?

Und habe ich in den letzten Tagen in irgendeiner Nachrichtensendung die Frage gehört, wie ein 18-Jähriger so problemlos an Waffen, Munition und Bombenmaterial kommen kann? Oder hat er die nur gekauft, weil die bösen „Killerspiele“ es ihm befohlen haben?

Leute wie Edmund Stoiber, Jörg Schönbohm, Christian Wulff, Wolfgang Bosbach und wie diese ganzen inkompetenten und profilierungssüchtigen CDU/CSU-******* heissen, haben mich schon immer angekotzt. Warum reissen diese ahnungslosen, polemischen und weltfremden ********** so unreflektiert das Maul auf, wenn es um den angeblichen Verfall der Gesellschaft geht?
Warum hören sie nicht mal zu, was die Betroffenen zu sagen haben? Warum werden nicht mal die Kinder gefragt, was für Probleme sie plagen? Warum werden nicht mal die Eltern gefragt, was deren Probleme bei der Erziehung sind bzw. warum sie keinen Zugang zu ihren Kindern finden? Können Lehrer überhaupt noch Einfluss auf die persönliche und soziale Entwicklung von Kindern nehmen? Warum wird dem Mobbing an den Schulen nicht entgegengewirkt? Was sind die Gründe, dass immer mehr Kinder in der Isolation aufwachsen? Wie kann man dafür sorgen, dass Kinder nachmittags nicht gelangweilt vor dem Computer sitzen, sondern mit anderen Kindern Fussball, Basketball oder Gesellschaftsspiele spielen?

Aber auf solche Fragen kommt man ja nicht. Schuld an allem sind die „Killerspiele“.

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8 Antworten zu Killerspiele verbieten!

  1. Frida schreibt:

    Das erinnert doch sehr an die Diskussionen nach dem Amoklauf von Littleton (eigentlich kommt diese Diskussion nach jedem dieser tragischen Fälle auf, wenn ich recht überlege).
    Die Erwachsenen, die für das Wohlergehen und das Verhalten der Kinder Verantwortlichen, suchen die Schuld bei Dingen, die sie nicht verstehen, die nicht in ihrer Welt ablaufen. Man denke nur an das grnadiose Interview mit Marilyn Manson, der von Medien und Politik zum Generalschuldigen des Amoklaufes erklärt wurde, weil die Täter seine Musik gehört hatten. Oder an die schlaue Schlussfolgerung von Moore: Die Jungs waren begeisterte Bowling-Spieler. Bowling ist gefährlich. Bowling sollte verboten werden.

    Es ist so einfach, die Schuld von sich zu weisen. Und dabei ist nicht erst seit PISA klar, dass unsere Lehrer pädogogisch unzureichend ausgebildet sind (ich entschuldige mich in aller Form bei allen großartigen Lehrern, die ich hatte und bei allen ambitionierten Lehramtsstudenten). Und nicht erst seit der Super-Nanny ist klar, dass viele Eltern überfordert sind und Staat und Jugendämter keine ausreichende Unterstützung liefern.

    Aber der gute Herr Stoiber mit seinen 96,5 Lenzen hat den Masterplan.

  2. Frida schreibt:

    edit: Ich spreche natürlich von „Bowling for Columbine“ von Moore, in dem das Manson-Interview zu sehen ist.

  3. Ghost Dog schreibt:

    Wie Du schon sagtest, ist das Interview von Michael Moore mit Marilyn Manson grandios und Manson bringt die ganze Misere auf den Punkt: „I wouldn’t say a single word to them, I would listen to what they have to say and that’s what no one did.“

    Dem ist doch eigentlich kaum etwas hinzuzufügen…

  4. Frida schreibt:

    Korrektur: Ich sagte, das Interview ist grnadios. Das ist zweifellos ein Unterschied! =)

  5. abk schreibt:

    der aussage von marylin kann ich auch nur zustimmen… war damals auch recht überascht als er das im film sagte! so simple aber so klar eigentlich!

  6. *#fm#* schreibt:

    es hat nicht immer etwas damit zu tun das etwas in dessen leben falsch gelaufen ist, ich kenne auch viele leute die haben ihr leben lang nur sch**** gefr*ssen und nur niederlagen erlebt und verschwenden keinen gedanken daran sich und andere umzubringen. vielleicht sich selber umzubringen, aber nicht andere … und das was politiker sagen ist sowieso für die tonne, denn ist irgendwie was gutes bei rausgekommen bei der neuen regierung ? oder bei der alten ? nicht, nur schrott wie die 19% oder die tabaksteuer. okay, vielleicht gehen die arbeitslosen zahlen zurück, aber nicht viel. ich habe zum beispiel auch mit bekommen müssen das es nicht leicht ist eine ausbildung zubekommen. auch wenn gesagt wurde das in hamburg noch ca. 1000 lehrstellen zu anfang des letzten jahres frei waren, ich habe mich mehrmals auf solche stellen beworben und als ich die absage bekam und dann zwei wochen später lese das DIESE stelle dann immer noch frei war, habe ich mal einen netten brief an die handwerkskammer (oder handelskammer, verwechsel ich immer) geschrieben und eine antwort zurück bekommen die in kürze nur heisst: „Es tut uns leid das Sie diese Stelle nicht bekommen haben, wir wissen selber nicht was mit diesem Betrieb ist. Wir wünschen Ihnen dennoch viel Erfolg für die Zukunft.“ so in etwa in kürze. aber naja, sind alles wieder gründe warum man verstehen kann warum viele auswandern.

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