Media Markt – Lass Dich nicht verarschen

„Ich bin doch nicht blöd.“

Jeder von uns hat schonmal in einem Media Markt eingekauft. Fernseher, Computer, DVDs, Küchen- oder andere Geräte soll es dort laut Werbung „saubillig“ geben. Doch neben der fragwürdigen Reklame, die seit Jahren auf die Konsumenten niederprasselt, hat sich Media Markt in letzter Zeit gerne mal negativ hervorgetan, wenn es darum geht, versteckte Preiserhöhungen als „Beste Preise“ zu verkaufen, sich vermeindliche „Tiefstpreisgarantien“ als Mogelpackungen herausstellen, Weblogger abzumahnen, weil sie kritisch über die Werbekampagnen schreiben oder mittelständische Unternehmen, die ebenfalls Elektronikartikel verkaufen, mit Klagen zu überhäufen, um sich Wettbewerber vom Hals zu schaffen. Ich für meinen Teil werde in Zukunft dort nicht mehr einkaufen – und ich erzähle Euch warum.

„Gut, daß wir verglichen haben.“

Fangen wir mit an: Media Markt behauptet zwar, dass es bei ihnen die günstigsten Preise gibt, aber leider stimmt das nicht. Die PC-Welt hat Anfang 2005 mehrere hundert Produkte ausgewählt und Preise verglichen. Dabei schnitt der Media Markt und der dazugehörige Onlineshop in mehr als der Hälfte der Fälle schlechter ab, als die Mitbewerber. Man kann auch sagen: Die günstigsten Preise sind woanders, nur nicht beim Media Markt. Eine ähnliche Untersuchung durch die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung Anfang 2006 hat ergeben, dass sogar bis zu 70% der Artikel bei der Konkurrenz günstiger zu haben sind. Auch das ARD-Magazin „PlusMinus“ kam zum gleichen Ergebnis und riet den Kunden, den Einzelhandel zu wählen, da dort Betreuung und Preise meist besser seien.

„Die Mutter aller Schnäppchen.“

Das alles wäre ja nicht so schlimm, wenn Media Markt seine Ankündigungen wahr machen würde und man auf alle Geräte eine „Tiefstpreisgarantie“ erhalten würde („Danach bekommen Kunden die Euro-Differenz ersetzt, sollten sie ein Gerät woanders billiger finden.„). Dann könnte man demnach Preise vergleichen, zu Media Markt gehen, den günstigsten Preis ansagen, den man recherchiert hat und hätte ein schönes Schnäppchen gemacht. Aber leider scheint sich Media Markt an die eigenen Ankündigungen nicht zu halten.

Kaufen. Marsch, Marsch!

Wenn dann aber der Fall eintritt, dass der Media Markt doch mal mit einem seiner Aktionsangebote günstiger ist als alle anderen Läden, kann man trotzdem Pech haben, denn gern benutzt Media Markt das Mittel der Lockvogelangebote. Verbraucherschützer hatten z.B. Anfang 2006 auf einen Verstoß gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb hingewiesen, als beim Media Markt DVD-Player für 19 Euro angeboten wurden, aber schon nach wenigen Stunden alle DVD-Player ausverkauft waren. Den Media Markt hat es gefreut, denn bestimmt sind viele Kunden dann mit einem anderen, natürlich teureren DVD-Player aus dem Laden gegangen. Das Gesetz besagt übrigens, dass „das Sonderangebot in der Regel mindestens zwei Tage verfügbar sein“ (§ 5 Abs. 5 Satz 2 UWG) soll.

„Lasst Euch nicht verarschen!“

Anfang 2005 hatte Media Markt in einer groß angelegten Werbekampagne damit geworben, „keine Mehrwertsteuer“ zu kassieren, wenn man am 3. Januar 2005 bei ihnen einkauft. Die Verbraucherzentrale hatte daraufhin aber mehr als 30 Beschwerden erhalten, dass Media Markt Ende Dezember 2004 still und heimlich die Preise soweit erhöht hatte, dass sie durch die Mehrwertsteuer-Aktion fast wieder auf dem üblichen Stand waren. (Anm.: Media Markt hat sich in einer ersten Instanz vor Gericht gegen die Verbraucherschützer durchgesetzt, weil die Kläger bei der Suche nach Beweisen „offensichtlich sehr schlecht recherchiert“ hätten.)

In einem anderen Fall von Verbrauchertäuschung hat Ende 2005 die Deutsche Umwelthilfe Media Markt vorgeworfen, „die Verbraucher systematisch über den Energieverbrauch ihrer Haushaltsgeräte zu täuschen.“ Die Zettel, auf denen der Energie- und Wasserverbrauch steht, sei in vielen Fällen entweder komplett entfernt worden oder versteckt angebracht gewesen.

„Wir können nur billig.“

Eigentlich könnte ich meine Begründung jetzt abschließen, aber es geht erst richtig los. Die ausländerfeindliche FernsehWerbung und das Feuern eines Gewerkschafters, der einen Betriebsrat gründen wollte, erwähne ich dabei nur am Rand. Die Idee, potentielle Lehrlinge in einem öffentlichen Fernseh-Casting auszuwählen, ist meiner Meinung nach herabwürdigend, spielt hier aber ebenfalls nur eine untergeordnete Rolle. Nichtmal die laufende Kartelluntersuchung der EU gegen Media Markt und Intel, weil bei Media Markt und Saturn (Schwesterunternehmen) ausschließlich Intel-Rechner angeboten werden, soll hier vertieft werden.

Viel mehr möchte ich auf eine Abmahnung hinweisen, die der Blogger rainersacht vor ein paar Monaten von Joachim Nikolaus Steinhöfel bekommen hat. Was, Ihr kennt Joachim Nikolaus Steinhöfel nicht? Ich wette, doch. Joachim Nikolaus Steinhöfel („Natürlich bin ich ein Arschloch“ – er über sich selbst) ist Euch bekannt aus dem Fernsehen, eventuell aus dem Radio, aber garantiert gesehen habt Ihr ihn schonmal in der Media Markt-Werbung „Wir holen den Titel“, die im Jahr 2006 vor der WM wohl ganz Deutschland malträtiert hat. Nebenbei, also eigentlich im Hauptberuf, ist Joachim Nikolaus Steinhöfel aber Anwalt. Und in dieser Funktion tritt er – vertreten durch seinen Rechtsanwaltspartner Höbelt – als Rächer einer Minderheit auf – nämlich sich selbst. Und als Rächer seines Arbeitgebers Media Markt.

Der Fall ist eigentlich schnell erzählt: Rainersacht hat sich über die Media Markt-Werbung aufgeregt und das in deutlichen Worten im Internet niedergeschrieben. Ein paar Monate später hat Joachim Nikolaus Steinhöfel (vermutlich, weil er mal wieder nach seinem eigenen Namen gegoogelt hat) bei rainersacht gemeldet und ihn im Namen vom Media Markt und dann im Namen von sich selbst abgemahnt. Die von ihm beanstandeten Textpassagen sind mittlerweile zensiert, aber zahlen wollte rainersacht den horrenden Streitwert in Höhe von 2763,22 EUR nicht. Jetzt geht es vor Gericht.

Man könnte jetzt meinen, dass Joachim Nikolaus Steinhöfel einfach ein dünnes Fell hat, wenn es darum geht, Satire über ihn zu verbreiten oder einfach nur mal die Meinung zu sagen. Komisch finde ich nur, dass Joachim Nikolaus Steinhöfel vor ein paar Jahren noch ganz anders darüber dachte („…Ich freue mich auf jede Art der Konfrontation.“) bzw. er auf seiner eigenen Homepage zu einem Artikel verlinkt, in dem über ihn Formulierungen wie „Der Kerl mit dem schnarrenden Organ und der Feuermelder-Visage“, „Halb debil“, „halb dämonisch“, „Pitbull in Robe“, „arroganter Smartie“, „notorischer Kotzbrocken“, „die Karikatur eines taffen Chefredakteurs“, „eine Endmoräne der Yuppie-Zeit“ oder „Pöbel-Steini“ (via) stehen, dann ist er entweder in den letzten Jahren zu einem Weichei verkommen, oder misst mit zweierlei Maß. Anscheinend darf man seine Meinung über Joachim Nikolaus Steinhöfel schreiben, aber wenn Herrn Joachim Nikolaus Steinhöfel die Meinung nicht passt, irgendwie auch wieder nicht. Solch eine Aktion fällt für mich also unter die Rubrik „Zensur“ und ich hoffe, dass der abgemahnte Blogger vor Gericht Recht bekommt. Denn Recht hat er ja schon. Und viel Unterstützung von anderen Bloggern bekommt er auch.

„Bester Media Markt aller Zeiten.“

Da der nette Herr Joachim Nikolaus Steinhöfel aber immernoch viel Zeit übrig hat, versucht er nun anscheinend, im Namen des Arbeitgebers die Konkurrenz von Media Markt, meist kleinere und mittlere Unternehmen, anhand von Abmahnungen in den Ruin zu treiben. Er lässt sich von den einzelnen Filialen engagieren und bombardiert die Firmen dann mit Schreiben, die offensichtlich nur darauf aus sind, den Wettbewerb zu zerstören, weil sich die kleinen Unternehmen meist keine Rechtsabteilung leisten können bzw. durch den Aufwand an ihrer eigentlichen Arbeit gehindert werden. Und wenn die Unternehmen dann Unterlassungserklärungen unterschreiben, müssen sie trotzdem zahlen – nämlich das Honorar des netten Herrn Joachim Nikolaus Steinhöfel. Das Ziel von Media Markt scheint zu sein, zusammen mit dem Schwesterkonzern Saturn „monopolistische Strukturen“ herbeizuführen.

Die von mir zusammengetragenen Fakten, Links und Artikel dienen nur als Information und stellen keinen Aufruf zum Boykott von Media Markt dar. Ich habe mich nur aufgrund der oben ausführlich beschriebenen Gründe dazu entschlossen, in Zukunft keine Einkäufe mehr bei Media Markt zu tätigen, sondern die Geschäfte höchstens noch dazu zu nutzen, um mir Geräte, die ich kaufen möchte, anzuschauen und sie einmal in der Hand zu halten. Gern kann mein Text verlinkt und als Diskussionsgrundlage genutzt werden.

Dieser Beitrag wurde unter Abmahnung veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

9 Antworten zu Media Markt – Lass Dich nicht verarschen

  1. Pingback: Premiere vs. Kundenzufriedenheit « Die Straßen Von Berlin

  2. karin miekmann schreibt:

    Kann der Ablehnung von Mediamarkt nur zustimmen. Wer eines der höchsten Werbebudgets Deutschlands hat, kann nicht billig sein.

  3. Pingback: Media Markt schlägt wieder zu « Die Straßen Von Berlin

  4. Ich denke das Wort „Service“ wird hierzulande ohnehin viel zu klein geschrieben! Das merkt man spätestes beim Umtausch in solchen Großmärkten: meiner Erfahrung nach wird man nicht selten von Pontius zu Pilatus geschickt… und das Dinge gern versprochen, oft aber nicht gehalten werden, ist mir auch schon begegnet: damit steht Media Markt aber leider nicht allein…. es gibt auch Untersuchungen darüber, daß in vielen Märkten Artikel falsch ausgepreist sind, was einem leider manchmal erst zu spät (sprich zuhause) auffällt.

  5. Pingback: Adios Joachim Nikolaus Steinhöfel « Die Straßen Von Berlin

  6. Lothar schreibt:

    Ich kann nur zustimmen. Media Markt ist wirklich das Letzte, wo man was kaufen sollte. Die Preisunterschiede sind teilweise immens!! Ich fahre auch nur zum anfassen hin und kaufe oder bestelle woanders. Aber es macht Spaß, die Mitarbeiter mit ihren hohen Preisen zu verarschen.

    Ich habe mir in einem kleinen PC-Laden in Kiel zwei Kabel für meine neue SATA-Festplatte gekauft. Stromzufuhr und Verbindung zum Mainboard. Zusammen 6€. Bei Media Markt sah ich das Kabel für die Verbindung zum Mainboard für 9,99€!!!

    Ich brauchte noch einen Adapter für meinen Scanner, der 11,49€ bei Media Markt kosten sollte. Ich habe das Kabel und den Adapter mit zu einem Verkäufer genommen und ihn gefragt, ob man hier nur verarscht wird. Er druckste herum und kam mit Ausreden!

    Aber dann meine Frage: Ob er mir raten würde, den Adapter in diesem Geschäft zu kaufen, wo das Kabel für die Festplatte schon mehr als doppelt so teuer ist.

    Und er sagte: Er würde mir auch raten, woanders den Adapter zu kaufen, wenn ich ihn nicht so dringend benötigen sollte.

    Habe mir heute aber statt einen Adapter einen neuen Scanner gekauft, aber nicht beim Media Markt. Er war da genau so teuer, diesmal, aber ich fahre lieber 10km weiter als wenn ich mein Geld im Media Markt lasse und gebe es lieber Atelco.

    Probiert im Media Markt alles aus, aber kauft woanders, um Geld zu sparen!!

  7. M@rtin schreibt:

    Wenn mich nicht alles täuscht, dann hat der Media Markt so eine Klausel bei der Tiefpreisgarantie. Das Konkurrenzgeschäft muss eine bestimmte Größe haben (Mindestanzahl von Filialen) usw.. Also der Verbraucher „muss“ bzw. sollte nur immer fein das Kleingedruckte lesen – da steht eigentlich immer alles drin 😉 . Dass das nicht die feine englische Art ist, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren.

  8. Pingback: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! | Blog-House

  9. Pingback: Liebe Nach-Mediamarkt-Googler, « Die Straßen Von Berlin

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s