Ich glotz TV

Der folgende Text ist ein Produkttest. Das vorgestellte Telefon wurde mir kostenlos für vier Wochen zur Verfügung gestellt und ich erhielt darüberhinaus eine Prepaid-Karte mit Guthaben. Eine Gegenleistung in Form dieses Beitrags wurde von mir nicht verlangt, aber ich möchte trotzdem meine Meinung zum Telefon kundtun.

LG HB620 T

Das LG HB620 T ist eines der ersten Mobiltelefone, das DVB-T empfangen kann. DVB-T ist die terrestrische Verbreitung digitaler Radio- und TV-Signale, die in Deutschland der Nachfolger des klassischen analogen Antennenfernsehens ist, das bis 2010 komplett abgeschaltet wird.

Das LG HB620 T ist ein recht schlankes Klapptelefon (nur 1,5 cm dick), das allerdings für seine Größe etwas schwer wirkt (wie viel wiegt eigentlich DVB-T?). Die dunkle, edel anmutende Oberfläche macht einen robusten Eindruck und auch ständiges Auf- und Zuklappen scheint keinen nennenswerten Verschleiß herbeizuführen. Es gibt ein kleines Außendisplay, das eine Akku-, eine Signalstärkenanzeige und eine Uhr beinhaltet. Bei einem ankommenden Anruf wird ein Teil der Nummer bzw. des Anrufernamens angezeigt.

Das Menü birgt keinerlei Überraschungen. Positiv ist, dass zu jedem Menüpunkt ein Shortcut angezeigt wird, der das Manövrieren erleichtert. Werksseitig sind nur zwei Menüfarben (schwarz, weiß) vorgegeben. Beim Hintergrund sind ein paar mehr Auswahlmöglichkeiten vorhanden. Inwiefern man auch eigene Themes erstellen und hochladen kann, weiß ich nicht.

Kurz zu den technischen Details: Im Telefon sind GPRS und UMTS 3G integriert. Es gibt einen USB-Anschluss, Bluetooth und einen Mini-SD-Slot für Speicherkarten bis zu 4GB. Der Datentransfer zwischen zwei Telefonen per Bluetooth klappte reibungslos. Warum LG aber den Speicherkartenslot unter den Akku gepackt hat, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Anders als bei meinem Sony Ericsson W850i kann ich also nicht mal eben die Speicherkarte entnehmen und in den Kartenleser am Rechner schieben.
Zum Telefon wird eine Software mitgeliefert, die den Datenaustausch von Fotos, Musik, Filmen, Adressen und anderen Dateien vereinfachen sollen, aber an meinem Rechner hat die Datenübertragung nicht funktioniert. Woran es liegt, weiss ich nicht.

LG HB620 T

LG HB620 T

Kommen wir nun aber zum Kern und Alleinstellungsmerkmal des Telefons: Der eingebaute Fernseher. Weil ich im privaten Kreis immer wieder gefragt wurde: Fernsehen über DVB-T ist absolut kostenlos, solange die GEZ von dieser neuen Art Empfangsgerät nichts weiß.
Bei einer Bildschirmdiagonalen von 5 cm, was laut Pythagoras einem vier Zentimeter breitem und drei Zentimeter hohen DIsplay (also einem klassischen 4:3-Bild) entspricht, kann man bildtechnisch keine Wunderdinge erwarten. Die kleine Auflösung ist aber gleichzeitig ein Vorteil des LG HB620 T, weil das Bild gestochen scharf und ohne erkennbare Bildfehler angezeigt wird. Bei Sendungen in 16:9, und das werden immer mehr, muss man mit den schwarzen Balken leben. Laufbänder auf Nachrichtensender sind halbwegs gut zu erkennen, während man aber bei Sportsendungen für die Spielstandsanzeigen schon eine Lupe benötigt.
Um den Fernsehempfang zu aktivieren, zieht man zuerst die zierliche, aber robuste Antenne heraus und drückt dann auf den TV-Button (kann ihn aber komischerweise nicht drücken, um es wieder auszuschalten). Beim ersten Einschalten sucht sich das Gerät alle verfügbaren Radio- und TV-Sender und sortiert diese nach Sendekanal. Leider kann man die Sender nicht nach eigenem Wunsch sortieren, sondern nur Sender zu einer Favoritenliste hinzufügen, die aber auch nicht sortierbar ist. Sehr schön ist der integrierte EPG (Electronic Program Guide), der anzeigt, welche Sendung gerade läuft und was als nächstes folgt. Auf Knopfdruck kann man auch eine ausführliche Sendungsbeschreibung abrufen.
Je nach Standort empfängt der gemeine DVB-T-Gucker ca. 30 TV-Sender und nochmal so viele Radiosender. Mit dem LG HB620 T waren es bei mir in Berlin Prenzlauer Berg 23 TV- und 25 Radiosender. Eine Programm-Übersicht über die eigene Region kann man bei Überallfernsehen abrufen.
Der Akku reicht für etwa zweieinhalb Stunden Fernsehgucken am Stück. Nach einer gewissen Zeit entwickelt das Telefon auch eine beachtlich Wärme, die an kühleren Tagen zu einem ungeplanten Vorteil werden kann.

Mit dem 2-Zoll-Display des LG-Telefons ist das Surfen im Internet eines ganz sicher: nervig. Ich habe mich umständlich mit den vier Richtungstasten über die Seiten auf der Suche nach Links oder dem gewünschten Inhalt manövriert, aber meist nach wenigen Sekunden aufgegeben. Das Eingeben von Internetadressen ist ebenfalls umständlich, muss man doch nach dem Eintippen erst noch mehrere Button drücken, bis man endlich verbunden wird.

Man gewöhnt sich schnell an die Handhabung, aber hier und da hatte ich das Gefühl, als hätten die Entwickler kleine logische Fehler eingebaut. An einigen Stellen musste ich immer eine Bestätigung zu viel drücken oder kam nach einem erfolgreichen Schritt an der falschen Stelle raus. So ging es mir z.B. beim Versenden von SMS: Nach dem Abschicken kommt man nicht auf den Hauptbildschirm zurück, sondern landet wieder auf der SMS-Verfassen-Seite).

Die integrierte 2-Megapixel-Kamera kommt mit zwei Foto-Linsen daher. Die Außenlinse ist für die normalen Fotos zuständig und die innenliegende Fotolinse ist für Videotelefonie optimiert. Die Qualität der Fotos ist, je nach Lichtverhältnissen, gut bis kannstevergessen. Sehr schön ist das umfangreiche Menü der Fotofunktion, in der man diverse Voreinstellungen und Effekte (wenn man sie denn braucht) konfigurieren kann. Unschön ist, dass man das Auslösesignal nicht abschalten kann.

Die Ohrhörer des mitgelieferten Headsets waren absolut inkompatibel zu meinen Ohren. Ohne mehrere Lagen Klebeband blieben die Teile nie länger als drei Sekunden in meinen Ohren. Leider kann man auch keine eigenen Kopfhörer anschließen, da es keinen Klinkenstecker gibt. Das genaue Gegenteil dazu sind die In-Ear-Hörer an meinem W850i, die auch beim Sport perfekt im Ohr sitzen und darüberhinaus einen Klinkenanschluss haben.
Den MP3-Player des Telefons habe ich nicht getestet, darum kann ich zu seiner Funktionalität und dem Klang nichts mitteilen.

Das Benutzerhandbuch habe ich etwa fünf Sekunden lang in der Hand gehalten. Zum einen ist das Telefon trotz kleinerer logischer Fehler gut intuitiv zu benutzen und zum anderen lachte mich bereits im zweiten Wort der ersten Überschrift ein schöner Rechtschreibfehler an, der offenbar mit aus Korea importiert wurde. Das fördert nicht unbedingt das Vertrauen in die Bedienungsanleitung.

Fazit: Einer muss ja mal den Anfang machen und das LG HB620T braucht sich als Vorreiter in der Sparte der DVB-T-Mobiltelefone nicht zu verstecken. In den kommenden Jahren werden die DVB-T-Netze in Europa weiter ausgebaut, so dass der Markt in Zukunft auf jeden Fall vorhanden ist. Für mich kommt der Kauf eines DVB-T-Telefons nur in Frage, wenn das Display signifikant größer wird. Für die normalen Anwendungen sind die 2 Zoll zwar völlig ausreichend, aber für die speziellen Features (UMTS, DVB-T) schlicht zu klein.
Der Rest des Telefons ist solide und sticht weder positiv noch negativ aus der Masse der Mobiltelefone heraus.

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