Liebes Tagebuch,
gestern abend vor dem Schlafengehen habe ich das erste Mal in meinem Leben ganz echt gebetet. Normalerweise spreche ich einfach nur das nach, was Mama am Esstisch sagt. Aber jetzt brauche ich wirklich Hilfe von Gott. Ich hätte so gern einen Ginger Ale und eine heiße Badewanne, dass ich dafür töten könnte. Wendy, die nette Wärterin meinte aber, dass sie das nicht empfehlen würde, weil ich dann länger als drei Wochen hierbleiben müsste.
Ich will hier raus! Die letzte Nacht war soo schlimm, denn andauernd habe ich seltsame Geräusche aus allen Ecken gehört. Ich konnte mich nur ab und zu für ein paar Minuten in den Schlaf weinen. Jetzt ist mir dadurch meine Schminke verschmiert, die ich extra die letzten drei Tage nicht abgewaschen habe, weil meine Handtasche mit dem Make Up in einem Schließfach beim Pförtner liegt. Ich sehe aus wie dieser Marilyn Manson. Außerdem sind meine Tränensäcke ganz aufgedunsen. Am Morgen habe ich dann bemerkt, was die Geräusche waren. Im Fernsehraum ein paar Meter weiter lief die ganze Nacht der Film “Troja” in der Endlosschleife. Das ist so ein sinnloser Film. Warum sollte jemand versuchen, mit einem Holzpferd in eine Festung zu kommen? Brad meinte letztens zu mir, dass es das Trojanische Pferd gewesen sei, aber das kann historisch nicht sein. Trojanische Pferde gibt es erst seit ein paar Jahren. Ich hatte schon einmal eins auf meinem MacBook.
Die dicke Yolanda hat mir gestern zugerufen, dass ich bald ihre Bitch bin. Das verstehe ich nicht. Ist sie etwa lesbisch? Oder ist das ein Slangausdruck für “Vorbild”? Es muss letzteres sein, denn ich bin ein Role Model für viele Mädchen auf der ganzen Welt.
In der Bibliothek lag gestern eine Zeitung, in der ein Foto von meiner Wachsfigur bei Madame Tussaud’s mit Gefängniskleidung zu sehen ist. Ich war total geschockt. Querstreifen machen ja total dick! Ich habe hier zum Glück keine Querstreifen, aber die orangene Kratzkleidung ist auch nicht unbedingt vorteilhaft für mein A-Körbchen. Ich habe deswegen beim Gefängnisdirektor um einen Termin gebeten, damit ich ihn überzeugen kann, dass Jonathan, mein Lieblingsdesigner vom Hollywood Boulevard mir eine eigene Gefängniskollektion schneidern kann. Die kann ich dann in ein paar Monaten zusammen mit dem Tagebuch, dass ich veröffentliche, verkaufen.
Mein Anwalt will mich nachher für eine halbe Stunde besuchen, aber in meinem Zustand kann ich jetzt einfach niemanden empfangen. Ich habe total fettige Haare, denn in meinem Toilettenbeutel, den ich vom Gefängnis bekommen habe, ist nicht mal ordentliche Spülung drin. Außerdem habe ich ein paar Mitesser auf meiner Nase entdeckt, die ich ohne Abdeckstift nicht wegbekomme. Er lässt mir von Wendy ausrichten, dass er tolle Nachrichten hätte und alles bald wieder gut wäre, aber ich bezweifle, dass er mir heute die Nagelfeile reinschmuggeln kann. Er soll morgen nochmal kommen.
Love, Paris.
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Gibts auch noch eine “Wie ich da wieder rausgekommen bin”-Special-Ausgabe?
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